Lamm

Häufige Fragen zur Geburt

Jede Frau hat vor der Geburt Zweifel, ob sie die Kontrolle verliert, alles schafft, das Baby okay sein wird oder der Vater das durchsteht. Jede Geburt verläuft anders. Und jede Frau bewältigt sie auf ihre eigene Weise. Vertrauen Sie den natürlichen Prozessen, Ihrer Intuition und Ihren Helfern bei der Geburt. Kopfgesteuert oder mit Idealvorstellungen läuft oft alles anders als geplant. Und bei zuviel Angst schaltet der Körper auf Schwangerschaftserhalt und bremst die Wehen, die das Baby braucht. Wenn Sie bereit sind loszulassen und sich auf Ihre Gefühle und das Geschehen einzulassen, geht vieles leichter. Sie können nichts falsch machen und nicht versagen. Sie dürfen stöhnen und schreien, wütend und verzweifelt sein. Alles ist normal. Und Ihr Baby kämpft mit. Es möchte so oder so auf die Welt kommen. Zum Thema Partner: Auch er darf eine schwere Geburt haben.

 

Wie merke ich, ob es losgeht?

Vielleicht ist das Startsignal anfangs nur ein leichtes Ziehen im Kreuz mit dumpfem Druck im Bauch. Aber es kann auch schon heftig krampfen. Checken Sie mit der Uhr, ob diese ersten Wehen regelmäßig kommen. Geht dazu etwas blutiger Schleim ab, ist das Baby auf dem Weg. Manchmal löst sich der Schleimpfropf auch zwei oder drei Tage vorher vom Muttermund, ohne dass Wehen eintreten. Fahren Sie dann in Ruhe in die Klinik und lassen nachsehen, was sich abspielt. Aufregender kann sich das Baby mit einem Blasensprung bemerkbar machen und mit oder ohne Wehen sagen: "Abfahrt". Siehe Thema "Blasensprung".

Die ersten Wehen kommen anfangs etwa alle 20 Minuten und dauern etwa 40 bis 60 Sekunden. Liegt der Takt bei 10 bis 5 Minuten, brechen Sie ohne Hektik auf. Sie haben meist  genügend Zeit sich zu sammeln und Ihren Partner und die Familie anzurufen.

Was ist, wenn die Wehen in der Klinik weg sind?

Das passiert öfter und meist werden Sie wieder nach Hause geschickt. Dann fühlen Sie sich vielleicht abgeschoben und denken: "Bin ich zu blöd, das zu merken? Nehmen die mich nicht ernst?" Und der Vater kriegt Angst oder ist sauer, weil er nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Es ist völlig okay, sich abzusichern, was los ist. Dafür ist die Klinik da. Zweifeln Sie nicht an der Kompetenz der Geburtsexperten. Und nicht an sich. Ihr Baby oder Seelenimpulse haben einfach nur den Start verschoben.

Was passiert beim Blasensprung?

Die meisten Frauen machen sich zu diesem Thema Sorgen. Unberechtigt. Springt die Eihaut, die Hülle der Fruchtblase, um den Geburtstermin herum, ist das etwas anderes als der "vorzeitige Blasensprung" bei Frühgeburtsbestrebungen.

Fruchtwasser-Abgang ist ein unverkennbares Signal zum Aufbruch in die Klinik. Ohne Panik. Und nicht unbedingt liegend. Ein Nabelschnurvorfall ist sehr selten (bei nur 0,5 % aller Geburten). Dabei liegt die Versorgungsleitung des Babys vor dem Beckenausgang und könnte vom Kopf zugedrückt werden. Das kann nur passieren, wenn er sich noch nicht ins Becken gesenkt hat,  z.B. bei zu viel Fruchtwasser. Dann hat das Baby noch Bewegungsspielraum. Darüber informieren Ärzte bei der letzten Untersuchung vor der Geburt.

Wie beginnt der Ablauf in der Klinik?

Beim Check-in im Kreißsaal regelt eine Hebamme erst mal die Papier-Formalitäten. Dann schaut sie, wie weit sich der Muttermund geöffnet hat und wie das Baby liegt. Anschließend werden Sie mit dem CTG verbunden. Über zwei Kontaktköpfe auf dem Bauch schreibt das CTG-Gerät den Rhythmus und die Intensität der Wehen auf und überträgt den Herzschlag des Babys - zum Mithören. Die Töne verkünden, wie es dem Baby geht. Liegt es nicht richtig, sind Risiken bekannt oder liegen andere Fragen an, ist der Dienstarzt gleich zur Stelle und wird zusätzlich per Ultraschall nach Ihrem Baby sehen.

Sie werden ein warmes Bad nehmen können, das schön entspannt und die Öffnung des Muttermundes fördert. Nicht jede Klinik drängt zur Darmentleerung per Einlauf. Sprechen Sie mit der Hebamme darüber. Bedenken Sie, dass Sie sich auf Loslassen und nicht auf Halten einstellen.

Viele Kliniken haben Wehenräume für den Anfang der Eröffnungsperiode. Hier können Sie mit Ihrem Partner entspannen, die Wehenwellen in allen möglichen Positionen auf sich zukommen lassen, Ihre Lieblings-CD hören und meist auch etwas trinken oder essen. Ohne Wehenraum ist der Kreißsaal gleich Ihr fester Platz - mit gleichem Programm.

Ist das CTG irgendwie hinderlich?

Wenn es dem Baby gut geht, werden Sie nur in regelmäßigen Abständen mit dem CTG verbunden, sind also weitgehend frei davon. Wenn das Baby schwierig liegt oder bei sehr viel Körpermasse der Mutter können die Herztöne des Babys oft nicht gut über den Bauch abgeleitet werden. Dann wird eine winzige Elektrode am Kopf des Kindes angebracht. Das ist keine schmerzhafte Aktion.

Ist die Geburt im Wasser eigentlich toll?

Wasser ist eher ein Entspannungsmittel, kein Schmerzmittel. Für das Wannenfinale muss alles problemlos laufen. Und wasserdichte CTG-Überwachung möglich sein. Ist das Baby da, geht es meist im Trockenen weiter, weil die Geburt der Plazenta (Nachgeburt) nicht  im Wasser stattfinden soll. Fixieren Sie sich am Anfang der Geburt nicht zu sehr auf das vorgeburtliche Lebenselement des Babys. Mit Open-End-Einstellung sind Sie am Ende glücklicher.

Wie lange dauert die Geburt?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Eröffnungsperiode dauert zwischen 6 bis 12 Stunden, unter Umständen auch länger, weil die Wehen nachlassen und wiederkommen können. In dieser langen Phase weitet das Baby den Gebärmutterhals. Aus einer Flaschenvase wird eine Kugelvase mit einer Öffnung von etwa 10 cm. Die Austreibungsperiode dauert etwa 1 ½  Stunden. Jetzt drückt sich das Baby mit vollem Wehenschub in die Muskulatur rund um den Ausgang. Aber erst in den letzten 20 bis 30 Minuten dürfen Sie selber schieben, schieben, schieben.  

Ist in der Austreibungsphase nach zwei Stunden kein Ende in Sicht, sorgen Ihre Geburtshelfer für Nachhilfe. Entweder mit Wehenanregung (Wehentropf) oder mit Saugglocke oder Geburtszange.

Kann ich über Schmerzmittel frei entscheiden?

Ja. Ihre Hebamme wird jederzeit den Arzt rufen, wenn Sie es möchten oder Ihnen empfehlen, sich helfen zu lassen. Sie können ein krampflösendes Schmerzmittel bekommen, das Sie und Ihr Baby nicht lahm legt und Ihnen nicht schadet. Dosierung und Mittel werden auf die jeweilige Geburtsphase abgestimmt. Eine Alternative ist die PDA.

Überlassen Sie das Thema dem Lauf der Dinge. Sind Sie irgendwann außer sich vor Schmerz, ist oft alles Krampf. Sie können kaum noch aktiv mitarbeiten, in den Wehenpausen nicht auftanken, und das Baby kommt auch nur schwer weiter. Wenn Sie sich in den Kopf setzen, total an die eigenen Grenzen stoßen zu wollen, fragen Sie sich, wofür Sie das brauchen. Als eigenen Leistungsbeweis? Für die Erfüllung Ihrer Mutterrolle? Ihrem Baby wird das egal sein.

Wie wirkt die Peridural-Anästhesie (PDA)?

Sie ist heute das Mittel der Wahl für eine weitgehend schmerzfreie Geburt. Bewährt und zuverlässig. Manchmal macht sie anschließend Kopfschmerzen. Aber das sind in der Regel die einzigen Nebenwirkungen. Sie bleiben wach, aktiv und spüren den Druck der Wehenwellen. Mit einer Walking-PDA können Sie sogar herumlaufen.

Die PDA wird im Rücken per Katheter in den sogenannten Periduralraum zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel gespritzt. Das Rückenmark wird nicht berührt.

Je nach Aufgabe werden Narkosemittel, Schmerzmittel oder Kombinationen eingesetzt. In vielen Kliniken werden Dosierpumpen zum Selbstregulieren angeboten.

Bei geplanten Kaiserschnitten war die PDA lange die einzige örtliche Narkoseform, mit der Sie bei der Geburt wach bleiben konnten. Heute gibt es die Spinal-Anästhesie als Alternative. Siehe Kaiserschnitt.

Wann macht ein Dammschnitt Sinn?

Er ist keine Routine, sondern eine hilfreiche Anpassung an die Situation, z.B. wenn der Babykopf recht groß ist oder dem Baby die Kraft ausgeht, die letzte Hürde zu nehmen. Der erste Schritt ist immer ein Spezial-Handgriff der Hebamme, um den Damm vor dem Einreißen zu schützen. Ärzte bewahren erst einmal Ruhe. Fällt die Entscheidung für einen Schnitt, können Sie eine örtliche Betäubung bekommen. Im Anschluss an die Nachgeburt wird das Gewebe schichtweise vernäht. So bleibt es flexibel. Kommt es doch zu einem Dammriss, zeigen die Erfahrungen, dass auch er gut heilt und nur so groß wie nötig entsteht. Der Körper hat dafür eine Art von Selbstkontrolle. Im Moment des Geschehens spüren Sie kaum etwas.

Wann müssen Saugglocke oder Geburtszange sein?

Die sogenannte "vaginale operative Entbindung" kann für das Baby die letzte helfende Kraft sein, den Endspurt zu schaffen. Zum Beispiel dann, wenn die Wehen plötzlich aufhören oder das CTG "Baby in Not" anzeigt. Für den Eingriff muss der Muttermund vollständig geöffnet sein, und der Kopf des Baby sollte im Geburtskanal stehen. Bei vorher erkennbaren Problemen ist der Kaiserschnitt der beste Weg.

Wird mir das Baby direkt auf den Bauch gelegt?

Das wird unterschiedlich gehandhabt und sollte keine Ideologiefrage sein. Meist bleibt das Baby eine kleine Weile zwischen Ihren Beinen, bis die Nabelschnur auspulsiert ist. Andere Ärzte und Hebammen lassen es direkt auf Ihren Bauch gleiten. Einen Moment zu warten gibt Ihnen als Mutter die Chance, sich kurz zu sammeln und bereit zu sein, Ihr Baby zu begrüßen. Es soll Ihnen nicht aufgedrängt werden. So oder so, Ihr Partner wird sein Baby selber abnabeln dürfen. Das kann ein Supererlebnis sein, ist aber nicht jedermanns Sache.

Was bedeutet "Nachgeburt"?

Nach dem Baby muss noch der Mutterkuchen, die Plazenta, geboren werden. Das passiert meist innerhalb einer halben Stunde. Die Hirnanhangdrüse schüttet für diesen Prozess noch etwas vom Wehenhormon Oxytozin aus. Löst sich die Plazenta nicht im üblichen Zeitraum, kann mit einer Extragabe Oxytozin oder einem anderen ähnlich wirkenden Medikament nachgeholfen werden. Der Mutterkuchen muss für die Hebamme "vollständig" sein. Gewebereste können Blutungen auslösen. Auch wenn alles okay ist, bleiben Sie zur Sicherheit zwei Stunden lang im Kreißsaal. Meist eine schöne, intensive Zeit zum Kennenlernen für Sie und Ihr Baby.

Was sind Gründe für einen Kaiserschnitt?

Eine ganze Reihe: Babys in Beckenendlage (mit dem Po im Becken) oder Querlage, sehr große oder mangelentwickelte Babys, Plazentaprobleme oder Erkrankungen der Mutter.  Auch für eine Früh- oder Mehrlingsgeburt  werden die Babys direkt und schonend aus dem Bauch geholt. In der Regel geplant. Kaiserschnitte, die sich während der Geburt ergeben, sind Notfall-Maßnahmen, z.B. akuter Sauerstoffmangel des Kindes, Stillstand der Geburt oder Blutungen der Mutter. Im Notfall ist meist eine Vollnarkose notwendig. Aber auch damit werden Sie rasch wieder voll da sein und  Ihr Baby bemuttern und stillen können.

Geplante Kaiserschnitte können in Peridural- oder Spinal-Anästhesie gemacht werden. Sie bleiben wach und bekommen Ihr Baby sofort zu sehen. In den meisten Kliniken darf Ihnen Ihr Partner im OP-Outfit beistehen und das Baby in seine väterlichen Arme schließen.

Die Kaiserschnitt-Techniken haben sich gewandelt. Heute wird weniger geschnitten und weniger genäht. Sie sind schneller wieder fit, können aufstehen, wenn es Ihnen danach ist und nach drei bis vier Tagen nach Hause gehen. Aber Sie sind nicht im Wiederaufsteh-Wettbewerb. Wenn Sie mehr Zeit brauchen, um sich gut und sicher zu fühlen, genießen Sie mit Ihrem Baby die Ruhe vor dem Sturm der ersten Wochen.