
Home » Ratgeber » Alltag mit dem Baby » Gute-Nacht-Geschichten

Kinder lieben Geschichten.
Ob traditionelle, moderne oder selbst ausgedachte: Bei vielen zählt die Gute-Nacht-Geschichte zum täglichen „Zu-Bett-Geh-Ritual“ – sie wirkt beruhigend und macht das Einschlafen leichter.
Auch wenn kleine Kinder viel Schlaf brauchen, bringen sie immer noch genug Energie auf, um das abendliche Schlafengehen hinauszuzögern. Wer kennt es nicht: Kurz vor dem Zubettgehen scheint alle Müdigkeit vergessen und Ihr kleiner Racker hat auf einmal ganz andere Dinge im Kopf als schlafen. Eltern sollten wissen, dass es für Kinder eine enorme Leistung ist, abends alleine einzuschlafen und den Tag hinter sich zu lassen. Deshalb ist es besonders wichtig, Ihr Kind an bestimmte Rituale, wie z.B. die Gute-Nacht-Geschichte zu gewöhnen, die ihm das Zubettgehen erleichtern. Rituale geben Kindern die Sicherheit, dass morgen wieder ein Tag beginnt, auf den sie sich freuen können. Außerdem hilft ein abendliches Zubettgeh-Ritual den Kleinen, sich in feste Regeln und Abläufe einzufinden und diese zu akzeptieren.
Wichtig ist es, Rituale jeden Tag etwa zur gleichen Zeit und in der gleichen Reihenfolge durchzuführen. Sie können zum Beispiel erst gemeinsam mit der Familie Abendbrot essen, dann geht es mit Ihrem Kind ins Badezimmer zum Zähneputzen, danach wird der Schlafanzug angezogen, sich ins Bett eingekuschelt und erst dann kommt die Gute-Nacht-Geschichte.
Für Kinder ist ein aktives Erzählen der Geschichte besonders wichtig, damit sie deren Inhalt begreifen können. Das heißt langsam und verständlich vorlesen und den Text mit Gestik und Mimik unterstützen - das hilft Ihrem Kind, die Geschichte besser zu verstehen. Machen Sie immer wieder kleine Pausen, um zu sehen, ob Ihr Schatz noch alles mitverfolgt und stellen Sie kleine Fragen, um das Vorlesen noch aktiver zu gestalten.
Sie werden sehen, wie sehr sich Ihr Kind an dieses Ritual gewöhnen wird und es mit der Zeit mit dem Zubettgehen immer besser funktioniert. Denn nicht nur die Gute-Nacht-Geschichte wirkt sehr beruhigend. Es ist vor allem die vertraute, sanfte Stimme von Vater oder Mutter, die auf das Kind beruhigend wirkt und das Einschlafen leichter macht.
Egal, wie Ihr individuelles Zubettgeh-Ritual mit Ihrem Kind genau aussieht, nehmen Sie sich die Zeit, den Tag mit Ihrem Kind gemeinsam und harmonisch zu beenden. Die Gute-Nacht-Geschichte ist hierbei der ideale Begleiter Ihres Kindes ins Land der Träume.
Ein kleiner Eisbär lebte zu einer Zeit, als es noch keine Menschen gab, an der Küste Russlands, wo das Land fast an Finnland grenzt. Aber er lebte nicht auf dem Land, sondern darüber, hoch oben im Himmel. Dort war seine zweite Heimat. Wenn die Sonne schien, genoss er ihre Strahlen und faulenzte genussvoll.
Eines Tages aber verschwand die Sonne plötzlich, ohne dass es sich vorher angekündigt hatte. Darüber war der kleine Eisbär überaus wütend, denn es wurde plötzlich kalt und dunkel im Himmel. Der weiße Geselle wurde ganz griesgrämig. Doch als er sah, dass die Sonne auf der Erde noch schien, beschloss er hinabzusteigen. "Ich bin gekommen um mir die Sonne zu holen“, sagte er zu den anderen Tieren. “Wir geben sie dir nicht“, sagte der Fuchs und zitterte vor Schreck. "Ohne Sonne herrschen wieder Finsternis und Kälte auf der Erde.“ "Dafür ist es jetzt im Himmel dunkel und kalt“, brummte der Eisbär.
Die Tiere beschlossen, sich zu beraten. Die Konferenz dauerte tagelang, doch sie wurden sich nicht einig. Am achten Tag meldete sich der kluge Rabe zu Wort: "Wir alle, Brüder und Schwestern, brauchen die Sonne, auch der kleine Eisbär. Ich schlage vor, dass die Sonne den Sommer über bei uns bleibt. In der zweiten Hälfte des Jahres soll sie im Himmel wohnen. In dieser Zeit ist sowieso Winter bei uns und viele Tiere halten den Winterschlaf. So wäre es gerecht.“ Und so wurde es auch beschlossen.
Seit dieser Zeit dauert im fernen Norden der Tag einen ganzen Sommer und die Nacht einen ganzen Winter lang. Der Eisbär überlegte nicht lange und zog zu den andern Tieren auf die Erde hinab, dorthin, wo Russlands Küste fast an Finnland stößt. Im Winter, wenn die Sonne im Himmel war, hielt er seinen Winterschlaf. Da brauchte er die Sonne nicht. Im Sommer war die Sonne auf der Erde, wo er faulenzte und mit ihren Strahlen spielte, die ihn in der Nase kitzelten.

Es war einmal eine Königin mit fünf Kindern - vier Söhnen und einer Tochter. Eines Tages wurde die Königin sehr krank und nur das Wasser einer Quelle im Wald würde sie genesen lassen. Zuerst machte sich der älteste Königssohn auf den Weg, das Wasser zu holen, doch schon bald stolperte er und sein Wasserkrug zerbrach.
Nach und nach erging es leider allen vier Prinzen gleich und keinem gelang es, der Mutter das heilende Wasser zu bringen. Da rief die Königin im Zorn: „Geist, verwandle diese bösen Kinder in Gänse!“ Kaum hatte sie diesen Fluch ausgesprochen, verwandelten sich ihre Söhne in Gänse und flogen davon.
Die Tochter der Königin fragte ihre Mutter immer wieder nach ihren Brüdern, bis die Königin ihr von dem Fluch erzählte. Sofort machte sich die Prinzessin auf, ihre Brüder zu suchen.
Erst nach vielen Jahren erblickte die Königstochter ihre Gänsebrüder und brach in Tränen aus: „Meine lieben Brüder! Ich will alles tun, um euch zu erlösen!“ „Vier Jahre musst du umherirren und darfst kein Sterbenswort sprechen, dann sind wir erlöst“, sprachen die Brüder.
Als die Prinzessin wieder in den Wald gelaufen war, traf sie auf einen Königssohn, der gerade auf der Jagd war. Er staunte, als er die wunderschöne Königstochter erblickte. Doch gleich in welcher Sprache er fragte, sie antwortete nicht. Der Prinz nahm sie zu sich und machte sie zu seiner Gemahlin. Obwohl die Prinzessin nie sprach, lebten beide glücklich zusammen. Als der Königssohn in den Krieg ziehen musste, blieb die Prinzessin mit der alten, bösen Stiefmutter des Prinzen in Erwartung ihres ersten Kindes zurück.
Noch in der Geburtsnacht stahl die böse Stiefmutter den kleinen Jungen. Ihrem Sohn schrieb sie, dass seine Gemahlin einen behaarten Hund zur Welt gebracht hätte. Der Königssohn kam zornig heim und ließ die arme, weinende Prinzessin in ein kleines Haus sperren. Da kamen ihre Brüder und riefen: „So wie du uns erlöst hast, helfen wir auch dir!“ Die vier Jahre waren um und die Königstochter hatte ihr Wort gehalten.
So erzählte sie ihrem Gemahl unter Tränen, wie sie ihm einen Sohn geboren hatte und was die Stiefmutter ihr angetan hatte. Da ließ der Prinz die böse Stiefmutter in den dunkelsten Kerker werfen, befreite seinen Sohn und lebte fortan mit seiner Familie glücklich zusammen.

Wenn ein Löwe brüllt, bebt der Boden und die Tiere erzittern. Tummelt sich eine Herde von Springböcken zur Dämmerungszeit am Wasserloch, kommt es nicht selten vor, dass sie von den Beutegierigen eingekreist werden. Kaum stürmen die Löwen los, ist es dann für viele zu spät. Verliert aber ein Löwe sein Rudel, muss er allein auf die Jagd gehen und sein Glück schwindet von Tag zu Tag.
Als ein Löwe so einige Tage ausgehungert umhergeirrt war, kam er zu einem Hügel. „Ausgebrüllt, lieber Löwe! Du scheinst mir vor Hunger so närrisch geworden zu sein, dass du es nicht mehr vermagst, einen winzigen Fuchs aufzuspüren“ rief ihm plötzlich ein Einhorn zu. „Dann sollst wohl du meine Mahlzeit sein!“, entgegnete der Löwe und knurrte bedrohlich
Aber das Einhorn hatte sich in einer Felsspalte verkrochen und der schmale Durchgang versperrte dem Löwen den Weg. „Armer Löwe!“, sprach das Einhorn ihn mitleidsvoll an. „Ich glaube, für deinen schlimmen Zustand gibt es einen Ausweg, und deshalb lade ich dich zu einem Brettspiel ein. Gewinnst du, gebe ich dir satt zu speisen vom besten Fleisch und danach kannst du des Weges ziehen. Verlierst du aber, bekommst du zwar auch reichlich zu fressen, danach aber dienst du mir deine weiteren Tage.“
Der Löwe willigte sogleich ein, schon rasend vor Hunger. Das Einhorn führte ihn mit sich in seine Behausung, bot ihm einen Napf Wasser, holte das Brettspiel, und sobald die Figuren aufgebaut worden waren, begannen die beiden zu spielen. Man konnte sich schon denken, wie alles verlief, denn der ausgehungerte Löwe fand keinen klaren Gedanken mehr. Er freute sich aber trotz allem, denn in jedem Fall winkte ein reichliches Mahl.
Vom Einhorn besiegt, wurde er in eine Kammer geführt, wo ein riesiger Fleischberg aufgetürmt war. Der Löwe fraß und fraß, wurde runder und schwerer, fauler und zahm wie ein Schoßhund, der dem Einhorn stets zu Diensten war. Sogar zum Brüllen fehlten ihm bald die Kräfte. So winselte er bloß noch und blinzelte träge dem Einhorn entgegen. Nach einem Jahr dieser bequemen Gefangenschaft kam der Tag, an dem aus dem Raume des Löwen ein Blöken herausdrang.
Das Einhorn erschrak: „Habe ich ihn denn in meiner törichten Einfalt zum Lamme gemacht? Bald wird der Schweif schrumpfen und Schafswolle wird ihn zieren.“ Das Einhorn besann sich augenblicks und sprang über den Schatten seiner eigenen Herrschgier. „Ich habe einen schrecklichen Fehler begangen!“, rief das Einhorn. „Vom stattlichen Herrscher der Wüste habe ich dich zum Haustier gemacht!“
Tränen der Reue trübten dem Einhorn den Blick. Verständnislos und mit einem gewaltigem Gähnen stöhnte der Löwe schmählich: „Bitte lass mich bei dir, denn besser kann ich’s im Leben gewiss nicht mehr haben.“

Der kleine John sagte immerzu "ICH". Ganz gleich, ob seine Mutter den Kuchen aufschnitt oder Pudding auf den Tisch stellte, John sagte nur "ICH". Nur wenn er ins Bett sollte, sagte er nie "ICH", denn ins Bett wollte er nicht. Als die Mutter ihn einmal schlafen gelegt hatte, kletterte er aus dem Bettchen, stellte sich ans Fenster und schaute hinaus.
Es war dunkel, nur der Mond spendete Licht. Die Vorhänge bewegten sich und im Garten raschelte das Laub. Auf einmal sah der Junge unten bei der Wiese ein kleines Licht und erkannte ein ganz winziges Feenmädchen. "Wer bist denn du?", fragte John. "ICH bin es!", antwortete das Elfenmädchen mit zarter Stimme „Und wer bist du?“ „ICH bin es!“, antwortete John. Das Elfenmädchen klatschte in die Hände. "Ich heiße ICH und du heißt auch ICH. Ist das nicht lustig?!“ John hieß gar nicht ICH, aber das verriet er ihr nicht. "Willst du mit mir spielen, ICH?“, fragte das Elfenmädchen. "Ja, ICH, das will ich gern“, antwortete John
Das Elfenmädchen fing mit seinen Händen Mondlicht ein und verstreute es im ganzen Zimmer. Es wurden lauter Tiere daraus: Mondkatzen, Mondhunde, Mondpferdchen und sogar Monddrachen, die umherflogen und Feuer spuckten. Das Elfenmädchen und John versuchten die Mondtiere zu fangen. John hopste herum und trat dabei unachtsam der kleinen Fee auf den Fuß. Sie fing an zu weinen und John wollte sie trösten. Da kam aus dem Garten eine Stimme: "Elfenkindchen, warum weinst du?“
"ICH ist mir auf den Fuß getreten, Mami“, schluchzte das Feenmädchen. "Wer ist dir auf den Fuß getreten?“, fragte die Elfenmutter. "ICH, Mami“, weinte das Mädchen noch immer. "Wenn du dir selbst auf den Fuß getreten bist, musst du doch nicht weinen“, sagte die Mutter streng, steckte ihre Hände ins Zimmer und nahm das Mädchen mit sich fort. Die Mondtiere verschwanden und John schlief ein. Als am nächsten Abend die Mutter fragte: "Wer ist müde und möchte schlafen?", rief der Junge sofort: "ICH!"
Er freute sich auf das kleine Elfenmädchen und so blieb es für alle Zeit.

Es war einmal eine Geiß, die lebte mit ihren drei Kindern in einem kleinen Haus im Wald. Jeden Morgen ging sie Gras und Kräuter für die Geißlein suchen. Sie schloss die Tür zu und ermahnte ihre Kinder, niemandem zu öffnen, denn im Wald lebte ein riesiger Bär. Als die Geiß eines Tages wieder in den Wald ging, sah sie in einem Bach eine Wespe, die ins Wasser gefallen war.
Die Geiß hielt ihren Vorderfuß ins Wasser und half der Wespe heraus. "Ich bin nur eine kleine Wespe, aber vielleicht können meine Schwestern und ich dir auch einmal helfen. Wenn du in Not bist, rufe nach uns." Als die Geiß nach Hause kam, klopfte sie an die Tür und rief: "Ich bin es, eure liebe Mutter, ich komme heim mit Futter. Ihr meine lieben Geißelein, lasst mich bitte rein!"
Die drei Geißlein öffneten die Tür. In der Nähe aber hatte der hungrige Bär gelauscht. Als die Geiß am nächsten Tag wieder auf Nahrungssuche ging, schlich sich der Bär zum Geißenhaus, verstellte seine Stimme und rief: "Ich bin es, eure liebe Mutter, ich komme heim mit Futter. Ihr meine lieben Geißelein, lasst mich bitte rein!" Die drei Geißlein meinten, die Mutter sei aus dem Walde zurück, und öffneten die Tür.
Wie erschraken sie, als der Bär mit weit aufgerissenem Maul vor ihnen stand. In ihrer Angst rannten sie hin und her und versteckten sich schließlich auf dem Dachboden. Wütend suchte der Bär im ganzen Haus nach ihnen. Als die Geiß nach Hause kam, sah sie die offene Tür und hörte ihre Kinder aus dem Dachfenster rufen: "Der Bär ist im Haus!" Da rannte die Geißenmutter zum Wespennest. "Ihr lieben Wespen im Nest, meine armen Geißlein sitzen fest.
Der Bär ist im Haus, die Geißlein können nicht heraus!". Sogleich kamen die Wespen im Schwarm geflogen, umsurrten den Bären und stachen ihn, wo sie ihn nur stechen konnten. Der Bär heulte auf und floh in den Wald, wohin ihm die Wespen sogleich folgten. Da rannte der Bär immer weiter und weiter und kam nie wieder. Die Geiß und ihre Kinder tanzten und sangen vor ihrem Häuschen: "Der Bär, der Bär, der rennt, als wär´ Feuer hinter ihm. Er rennt und rennt und kommt nie wieder her, ihr lieben Wespen, danke sehr."

Es war einmal ein altes Schloss in einem großen Wald, in dem eine Zauberin lebte. Am Tage verwandelte sie sich in eine Nachteule und des Abends wurde sie wieder zum Menschen. Näherte sich jemand dem Schloss auf hundert Schritte, so erstarrte er, bis sie ihn lossprach. Eine Jungfrau aber verwandelte die Zauberin in einen Vogel, den sie in einem Korb in einer Kammer des Schlosses versteckte.
Es begab sich, dass ein wunderschönes, jungfräuliches Mädchen namens Jorinde mit ihrem Verlobten namens Joringel im Wald einherspazierte. Vor der Mauer des Schlosses erschrak Joringel und warnte seine Liebste: "Hüte dich, dass du nicht zu nahe ans Schloss kommst!" Jorinde aber sang: "Mein Vöglein mit dem Ringlein rot singt Lei-zicküth."
Als Joringel sich nach Jorinde umwandte, war sie bereits in eine Nachtigall verwandelt und sang. Eine Nachteule flog um sie herum und verschwand hinter einem Strauch, aus dem gleich darauf eine alte, krumme Frau herauskam und die Nachtigall fing. Fest erstarrt konnte sich Joringel nicht bewegen, bis das alte Weib wiederkam, um ihn zu erlösen. Er fiel vor ihr auf die Knie und flehte sie an, ihm Jorinde wiederzugeben, doch vergebens.
Eines Nachts träumte er von einer blutroten Blume, mit der er seine Jorinde befreien könnte. Des Morgens als er erwachte, begann er die Blume zu suchen. Tatsächlich fand er sie und eilte zum Schloss. Obwohl er auf hundert Schritte dem Schlosse nahe kam, erstarrte er nicht. Kaum berührte er mit der Zauberblume das Tor, sprang es auch schon auf. Drinnen fand er den Saal, in dem die Zauberin die Vögel fütterte.
Als sie Joringel sah, tobte sie böse, spie Gift und Galle, aber durch den Zauber der Blume konnte sie nicht näher an ihn herankommen. Wie sollte Joringel nun unter allen Nachtigallen seine Jorinde wiederfinden? Als er bemerkte, dass die Alte heimlich ein Körbchen wegnahm und zur Türe ging, sprang er flugs hinzu, berührte das Körbchen mit der Blume und die erlöste Jorinde stand vor ihm. Da verwandelte er auch all die anderen Vögel wieder zu Jungfrauen und lebte sehr lange vergnügt mit seiner Jorinde zusammen.

Eine Zigeunertruppe lagerte einmal auf einer weiten, unbewohnten Ebene. Nachdem die Leute gegessen und getrunken hatten, legten sie sich in ihren Zelten nieder und bald hörte man sie in tiefem Schlaf schnarchen. Nur Taru, der ärmste Bursche des ganzen Stammes, schlief nicht. Er war nämlich in Esta, die schöne Tochter des Häuptlings, verliebt, die auch an ihm großen Gefallen fand.
Als aber Taru das Mädchen zur Frau begehrte, sagte der alte Häuptling: "Du bist der ärmste Mann unseres ganzen Stammes. Du bekommst meine Tochter nicht." Dies grämte den armen Burschen sehr. Als er in dieser Nacht im Freien bei den Pferden saß, sah er in seiner Nähe eine weiße Flamme dreimal aufschlagen und wieder verschwinden.
Er holte eine Hacke herbei und begann an der Stelle zu graben. Nach einer Weile stieß er auf eine kleine, eiserne Tür, die er mit großer Anstrengung öffnete, und trat in ein dunkles Zimmer ein. Er tappte im Finstern umher, bis eine gnomenhafte Stimme zu ihm sagte: "Befrei mich von diesen Fesseln und ich werde dich reich machen." "Sag mir erst, wer du bist und warum du gefesselt worden bist."
Die Stimme antwortete: "Ich bin ein Kobold und wohne mit meinen Brüdern hoch oben im Gebirge. Einmal gingen wir auf die Jagd und stahlen dabei den Schatz des Wieselkönigs. Als dies der Wieselkönig bemerkte, lauerte er mir auf und sperrte mich hier ein.“
"Wenn sich die Sache so verhält", sagte Taru, „so will ich dir gerne in der Not helfen." Darauf befreite er den kleinen Mann, der vor Freude im Zimmer herumtanzte. Nach einer Weile sagte der Kobold: "Nun muss ich heim, denn bald kommt der Wieselkönig zurück. Nimm diesen Ring und stecke ihn an den mittleren Finger deiner linken Hand. Wenn du dir Gold wünschst, drehe ihn einmal von links nach rechts und du wirst jedes Mal einen Dukaten in der Hand finden."
Darauf gab der Kobold dem Burschen den Zauberring und zog davon. Taru aber ging in sein Zelt und drehte den Ring so oft, dass er dem Häuptling in der Früh einen großen Haufen Dukaten für seine schöne Tochter Esta geben konnte, die er sogleich zur Frau bekam und die mit ihm viele Jahre glücklich lebte.

"Nun sagt mir, Emma", sprach Herr Finn zu Emma Rees, als er ihr eines Tages auf der Straße begegnete, "habt ihr je etwas von einem Schuhwichtel gehört?" "Von einem Schuhwichtel? Das mein' ich, und mehr als einmal. Wie oft habe ich meinen Vater davon erzählen hören!" "Aber habt ihr selbst niemals einen gesehen?" "Nein, ich selbst mein Lebtag nicht. Aber mein Großvater, der hat einmal einen gesehen, sogar in den Händen gehabt." "In den Händen! Emma, das müsst ihr mir erzählen!" "Gerne will ich das tun. Mein Großvater war draußen im Moor gewesen und hatte Torf heimgefahren.
Sein armer, alter Gaul war müde davon und Großvater ging in den Stall, um zu sehen, ob er sein Futter gefressen hatte. Als er zu der Stalltüre kam, hörte er etwas hämmern, so als wenn ein Schuster Schuhe macht. Mein Großvater dachte gleich an einen Schuhwichtel und sagte: "Wenn möglich, fange ich ihn und habe dadurch genug Geld bis an mein Lebensende."
Sachte öffnete er die Tür und schaute sich überall um. Es war aber nichts zu sehen und doch hörte er, wie es hämmerte und pfiff, bis er den kleinen Gesellen entdeckte. Der hatte ein kleines Schürzfell um, den Hammer in der Hand und eine kleine rote Nachtmütze auf dem Kopf.
Der Wichtel war so damit beschäftigt einen Schuh zu machen, dass er meinen Großvater gar nicht bemerkte, bis dieser ihn fest mit der Hand packte. "Jetzt habe ich euch und lasse nicht eher los, bis ich euren Geldbeutel habe!" "Halt, halt", entgegnete der Schuhwichtel. "ich will ihn holen!" Mein Großvater, der Narr, öffnete seine Hand und der Kleine hüpfte lachend fort.
Er sah ihn niemals wieder. Nur den kleinen Schuh hatte der Schuhwichtel zurückgelassen. Mein Großvater war überaus ärgerlich auf sich selbst, dass er den Wichtel hatte entschlüpfen lassen. Den Schuh aber behielt er so lange er lebte und meine Mutter erzählte mir, dass es der niedlichste Schuh gewesen sei, den ihre Augen jemals erblickt hätten."

Früher, als es auf der Erde noch keine Flüsse gab und das einzige Wasser, das die Menschen kannten, vom Himmel fiel, machte sich irgendwann ein kleiner Junge auf, um die Quellen des Wassers zu suchen. Irgendwo in der Erde versickerte das Regenwasser und das Kind wollte wissen, wo es sich verbarg. Tagelang ging es durch den Wald, bis es völlig erschöpft von seiner Suche war.
Eines Abends, als der Junge sich am Fuße eines riesigen Baumes ausruhte, sah er etwas Merkwürdiges. Neben ihm marschierte eine lange Kolonne schwarzer Ameisen durch das Moos und bildete eine Straße, die aus der Tiefe des Waldes bis zu dem Baum führte.
Der kleine Junge beobachtete sie, ohne sich zu bewegen, weil er sie nicht stören wollte. Die Ameisenkolonne verschwand unter dem Wurzelwerk des großen Baumes in einer Höhlung, die aussah, als wäre sie eine Verbindung zur Welt unter der Erdoberfläche. Langsam wagte sich der Junge an die Öffnung heran und sah, dass die Ameisen mit einem Wassertropfen zwischen den Kiefern wieder emporkamen.
Er war plötzlich ganz aufgeregt, denn er begriff, dass er soeben den geheimen Ort entdeckt hatte, wo das gesamte Wasser des Himmels aufbewahrt wurde. Es war der große Baum Wingo, der sich sehr hoch über die anderen Bäume des Waldes erhob, so hoch, dass ihn bisweilen die Hand des Donnergottes traf und mit ihren steinernen Fingernägeln zerzauste.Der Junge fing an, am Fuß des großen Baumes zu graben. Nachdem viele Tage und Nächte vergangen waren, begann der Baum, der in seinem Fundament zerstört war, sich zu neigen. Mit einem lauten Krachen fiel er zu Boden.
Während der Baum fiel, schaute der Junge mit aufgerissenen Augen zu, denn er wusste, die Welt würde fortan nie mehr dieselbe sein: Aus den Wurzeln des Baumes sprudelten die Quellen, der so breite und so große Stamm wurde zum Flusslauf, die Zweige und Blätter verloren sich irgendwann in einem immer größer werdenden Meer. Seit dieser Zeit kennen die Menschen das Wasser der Flüsse und haben großen Respekt vor den Wingo-Bäumen, die es ihnen gegeben haben, und vor den schwarzen Ameisen, die als Zeichen der vergangenen Zeit noch immer den Tropfen tragen, der zwischen ihren Kiefern funkelt ...

Ein wohlhabender Kaufmann lebte nahe der großen Stadt alleine in einem riesigen Haus. In seinem gut laufendem Geschäft handelte er mit Rosenwasser, Safran, Feigen, Mandeln und Pistazien. Er hätte glücklich und zufrieden sein können, doch oft grämte er sich, denn seine geliebte Frau war vor einigen Jahren verstorben und so war er sehr einsam.
Eines Tages flog ihm ein wunderschöner Papagei zu: Das Gefieder war grün-gelblich, der Hinterkopf hatte eine leicht bläuliche Färbung und besonders hübsch war sein roter Schnabel. Es vergingen viele Tage und Wochen, in denen sich der Papagei und der Kaufmann anfreundeten. Der Kaufmann war so glücklich darüber, nun nicht mehr alleine zu sein, und verbrachte viele Stunden damit, dem Vogel das Sprechen beizubringen. Zur Belohnung für etwas Erlerntes bekam der Papagei ein Stück aus dem Zuckersack, der nach und nach auf so spielerische Weise immer wichtiger für ihn wurde.
Nach einem anstrengenden und langen Tag kam der Kaufmann eines Abends sehr müde nach Hause. Er bat den Vogel wach zu bleiben und auf das Haus mit seinen wertvollen Schätzen acht zu geben. Der Papagei wachte sorgsam die ganze Nacht und ließ dabei seinen Zuckersack nicht aus den Augen. Gegen Morgen jedoch kamen Diebe und raubten ungestört das ganze Haus aus. Gold, teure Tücher, Gewürze und Früchte nahmen sie mit, den Sack mit dem Zucker ließen sie aber achtlos zurück.
Am nächsten Morgen ging der Kaufmann entsetzt durch sein Haus und beklagte beim Papagei den Verlust all seiner Schätze. Der entgegnete ihm aber: "Ich habe doch auf den Zuckersack aufgepasst! - Ist er denn nicht unser kostbarster Besitz?"

In einem königlichen Schloss lebte eine sehr hübsche und gutherzige Prinzessin. Nicht weit entfernt stand ein zweites, schon zerfallenes Schloss mit einem schönen Garten. Hier ging die Prinzessin gern spazieren. Einmal ging sie die Lindenallee auf und ab, da hüpfte aus den Rosen eine schwarze Krähe hervor. Sie war ganz zerzaust und verletzt, sodass die gute Prinzessin Mitleid mit ihr hatte.
"Ich bin keine Krähe, ich bin ein verzauberter Prinz und muss meine jungen Jahre so im Elend zubringen. Oh Prinzessin, du könntest mich wohl retten. Sei für immer meine Gefährtin, trenne dich von deinen Lieben und komme zu mir in dieses Schloss. Ein Zimmer ist noch wohnlich, darinnen steht ein goldenes Bett. Einsam wirst du hier leben, doch vergiss nicht: Was du in der Nacht auch siehst und hörst, nie darfst du ein Angstgeschrei erheben; denn wenn du nur ein einziges Mal schreist, sind meine Qualen verdoppelt."
Die gütige Prinzessin verließ Vater und Mutter und zog in das einsame Schloss. Am ersten Abend konnte sie nicht einschlafen. Um Mitternacht hörte sie, dass etwas angeschlichen kam. Die Türe öffnete sich und ein Heer böser Geister stürmte herein. Sie starb beinahe vor Furcht, doch sie gab keinen Laut von sich. Da krähte plötzlich der Hahn und alles verschwand.
Die Krähe hüpfte vor Freude im Zimmer umher und dankte der Prinzessin für ihren Mut, denn schon waren die Qualen deutlich gemildert. Die Prinzessin aber lebte einsam und erlitt die schrecklichsten Nächte. So waren zwei Jahre vergangen, da sprach die Krähe zur Prinzessin:
"In einem Jahr ist meine Strafzeit vorbei. Ehe ich jedoch meine wahre Gestalt wiedererlange, musst du in die weite Welt ziehen und als Magd dienen. Die junge Prinzessin zog aus und diente nun ein ganzes Jahr lang als Magd. Eines Abends spann sie Flachs und war schon ganz müde, da vernahm sie frohes Rufen, herein trat ein schöner Jüngling, kniete vor ihr nieder und küsste ihre arbeitsmüden Hände. "Ich bin es", rief er aus.
"Ich bin der Prinz, den du durch deine Güte von furchtbaren Qualen befreit hast. Komm mit auf mein Schloss." Und so zog sie mit ihm auf das Schloss, wo sie solchen Schrecken erlebt hatte. Dort verlebten der Prinz und die gutherzige Prinzessin gemeinsam hundert glückliche Jahre.

Es war einmal ein Fischer, der mit seinem Sohn zum Fischfang an einen großen Fluss ging. Mit einem Wurf fingen sie so viele Fische, dass sie das Netz kaum ans Ufer ziehen konnten. Neben vielen kleinen Fischen, hatten sie einen Delphin gefangen.
Da sprach der Fischer zu seinem Sohn: "Ich gehe und hole einen Karren. Du bleibst hier und lässt mir den Delphin nicht aus den Augen!"
Als der Vater weggegangen war, hatte der Fischersohn Mitleid mit dem wunderschönen Meeressäuger und ließ ihn frei. Der Delphin freute sich und dankte dem gütigen Jungen. Als der Vater zurückkam und sah, was sein Sohn getan hatte, wurde er sehr wütend und schrie: "Ich will dich nicht mehr sehen!"
Traurig zog der Sohn von dannen. Als er so vor sich hin wanderte, sah er plötzlich, wie Hunde einen Fuchs vor sich herjagten. Schnell versteckte der Junge das verängstigte Tier. Als die Hunde wieder weg waren, ließ er den Fuchs aus seinem Versteck.
Dieser sprach zu ihm: "Du warst so gut zu mir! Wenn du einmal in Not bist, rufe nach mir, ich werde kommen und dir helfen." So ging der Junge seines Weges.
Nach einiger Zeit kam er zu einem Schloss, in dem ein wunderschönes Mädchen wohnte. Der Fischersohn nahm seinen ganzen Mut zusammen, um das Herz des Mädchens zu erobern. "Bitte werde meine Frau", sprach der Junge. "Dein Wunsch geht in Erfüllung, wenn du dich so verstecken kannst, dass ich dich nicht finde. Falls dir das nicht gelingt, wirst du sterben!"
Damit einverstanden, verließ er das Schloss, ging auf eine Wiese und rief den Fuchs. Kaum gerufen, kam der Fuchs auch schon angesprungen und fragte: "Was kann ich für dich tun, mein Bester?" Der Junge erzählte ihm seine Geschichte und sprach dann mit bebendem Herzen: "So muss ich mich nun an einem solchen Ort verstecken, an dem mich das Mädchen nicht finden kann. Ansonsten ist es mein Tod!"
Der Fuchs bedachte die Sache gut und sprach: "Hab keine Angst. Ich verstecke dich so, dass sie dich nie finden wird." Dann grub der Fuchs einen langen Gang bis unter das Bett, auf dem das Mädchen im Schloss saß. Dort versteckte er den Jungen.
Das Mädchen schaute in ihren Spiegel und begann mit der Suche nach dem Fischersohn. Sie sah in alle vier Himmelsrichtungen, suchte den Himmel ab und schließlich das Meer, doch nirgends fand sie ihn. "Du Hexenmeister, wo bist du nur?", rief das Mädchen ungeduldig. "Komm doch, nirgends habe ich dich gefunden!" Unter dem Bett aber ließ sich des Jungen Stimme vernehmen und gleich darauf sprang er auch selbst hervor. Er hatte gewonnen und schon bald wurde die Hochzeit gefeiert.

Benni, der Bär, wachte eines Morgens auf und fand sich eingeklemmt zwischen einer Puppe und einem Clown. "Verschwindet!" rief Benni zu den anderen Spielzeugen. "Hier ist nicht genug Platz für uns alle!" Der Clown schnitt eine lustige Grimasse, um Benni aufzuheitern, und antwortete ihm: "Komm schon Benni, hier ist doch genug Platz für uns alle!"
Benni fand das aber nicht lustig und reagierte nicht darauf. "Benni du bist gemein" sagte die hübsche Puppe. "Wo sollen wir denn sonst sitzen als hier im Spielzeugregal?" "Nun verschwindet schon alle! Das ist mein Regal!"erwiderte Benni.
Die hübsche Puppe fing an zu weinen und sagte zu dem Blechsoldaten: "Ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich habe kein anderes Zuhause, aber bei Benni, diesem gemeinen Bären, möchte ich auf keinen Fall bleiben:"
Der Blechsoldat bat die lustigen Kreisel, für Benni herumzuhüpfen, damit seine Laune besser wird. Da hüpften die lustigen Kreisel wie wild herum, doch Benni war noch immer mürrisch. Und so verließen die anderen Spielzeuge eines nach dem anderen das Spielzeugregal, weil sie nicht in der Nähe von dem mürrischen Benni sein wollten.
Nun hatte Benni genug Platz für sich selbst. Doch bald fühlte er sich einsam und er weinte: "Kommt zurück, ich hab`s doch nicht so gemeint." Aber die anderen Spielzeuge hörten nicht auf ihn und so blieb Benni allein im Regal sitzen.
In der Nacht, als Benni noch immer ganz allein im Regal saß, flüsterte ihm eine Stimme zu: "Benni, du bist ein unartiger Bär." Benni schaute sich um und erblickte eine kleine Fee. Die gute Fee sagte zu Benni: "Wenn du mir versprichst, artig zu sein, dann will ich dir helfen!" "Ja, ich verspreche es," sagte Benni. "Bitte bring mir meine Freunde zurück!" Also schwang die gute Fee ihren Zauberstab und sagte allen lustigen Spielsachen, dass es Benni wirklich Leid tue, dass er so mürrisch war.
"Wir werden dir verzeihen!" sagten seine Freunde, als sie sich wieder zu ihm ins Spielzeugregal gesellten. "Danke",sagte Benni, "nehmt euch so viel Platz, wie ihr wollt." Da kuschelten sich alle Spielzeuge fest aneinander und schliefen glücklich ein.
Eingesandt von N. Krolow, Hamburg

Paul liegt in seinem Bett und soll schlafen. Nur draußen ist es noch ganz hell. Außerdem wäre er lieber noch eine Runde mit dem Dreirad gefahren. Paul zwinkert mit den Augen, wackelt mit den Zehen. Jetzt liegt er ganz ruhig und lauscht auf die Geräusche, die von draußen in das Kinderzimmer dringen. Auch die Hühner sind noch munter und gackern aufgeregt. Der Hofhund Bruno vor der Tür bellt kurz und knurrt.
Was er bloß wieder entdeckt hat? Paul wüsste es zu gern. Plötzlich hört er ganz nahe an seinem Ort ein zartes Stimmchen. "Hallo Paul, ich bin's !" Paul wundert sich, wer da mit ihm redet. "Na' ich bin's, das Daunchen im Zipfel deines Federbettes. Willst du mir zuhören? Bestimmt möchtest du wissen, was ich hier im Dorf schon erlebt habe! Schließlich war ich nicht schon immer in deiner Zudecke.
Einst "saß" ich unter dem Bauch der Henne Berta. Na ja "saß" ist etwas schlecht ausgedrückt. Ich war gewachsen im Gefieder von Berta, neben vielen anderen größeren und kleineren Federchen. Eines Tages zupfte sich Berta Federchen aus ihrem Gefieder und baute aus Stroh und Heu ein Nest; weich, warm und kuschelig.
Es dauerte nicht lange und fünf Eier lagen im Nest. Berta saß nun Stunde um Stunde darauf herum und brütete. Na klar, sie wollte Küken ausbrüten. Mir als Daunchen war das ganz schön langweilig und oft sooo warm. Besser war es dann schon, wenn Berta kurz mal im Hof oder Garten scharren ging, um ein par Körner oder Würmer zu fressen.
Da konnte ich den Wind durch mich hindurchpusten lassen oder wurde aufgeschüttelt und zurechtgerückt. Auf so einem Bauernhof gibt es wirklich allerhand zu entdecken und zu erleben. Die ganze Brüterei dauerte ziemlich lange, ich glaube an die 30 Tage. Eines Tages fing es in den Eiern an zu knistern und zu knacken und es wurde gegen die Schale geklopft. Aha, die Kühen wollten heraus.
Und schon schlüpften die Kühen - eines nach dem anderen - aus den Schalen. Die gelben Puschel-Küken piepsten aufgeregt und fröhlich ihrer Mami entgegen. Berta war so erfreut und stolz. Ich auch, schließlich war ich ja am "Warmhaltegeschäft" beteiligt gewesen.
Nun wirst du dich schon lange fragen, wie ich denn nun aber in dein Bett gekommen bin. Das kam so: Berta und ihre Schwestern kommen einmal im Jahr in die "Mauser". Das ist so etwas wie Wintersachen aus- und Sommersachen anziehen. In der Zeit sitzen viele Federn ganz locker, fallen alleine heraus oder werden ganz vorsichtig ausgezupft.
So erging es mir auch. Die Oma zupfte mich sanft aber bestimmt heraus und steckte mich in einen Sack; dort waren schon jede Menge anderer Daunchen. Ich hörte noch, wie sie sagte, das wird ein herrliches Federbett für meinen Enkel Paul.
So passierte es denn auch. Oma brachte mich eines Abends in die Dorfstube. Dort waren ganz viele Frauen zum "Federnschleißen" versammelt. Sie zupften die ganz zarten Daunenfahnen von den harten Kielen, damit im Inlett auch bloß nichts drückt und piekt. Es wurde viel erzählt, gelacht und gearbeitet. Oma hatte fleißig gezupft. Jetzt nahm sie alle Daunchen und steckte uns gemeinsam in das nagelneue Federbett.
Huch, es war ja sehr finster darin, die Vorfreude auf das zu Erwartende war aber größer - schließlich galt es ja nun wieder, die "Wärmeaufgabe" zu erfüllen. Ich wusste ja, ich komme zu einem kleinen Jungen, da konnte ich bestimmt tolle und aufregende Dinge erleben... Siehst du, jetzt bin ich bei dir, Paul."
Paul war nun doch eingeschlafen und hielt den Bettzipfel mitsamt dem Daunchen fest in seiner Hand.
Eingesandt von J. Ruschke, Rietschen

Vor langer Zeit feierte der Mond mit seinen Sternen ein fröhliches Fest. Sie kicherten, lachten und sangen laut vor Vergnügen. Bis hinunter zur Erde hörte man sie. Auch mitten in der Nacht wurde es nicht ruhiger. Daher durften alle Kinder aufbleiben und auf den Straßen und Plätzen spielen. Das machte ihnen natürlich einen Riesenspaß! Lucy und Tim wünschten sich sogar, das Fest am Himmel möge immer weiter gehen.
Am nächsten Morgen gingen die beiden wie jeden Tag in den Kindergarten. Etwas müde waren sie schon, aber das ging den anderen Kindern und auch den Erwachsenen nicht anders. Daher war es nicht schlimm, dass sie nicht so gut aufpassen konnten wie sonst. Am Abend ging das Fest immer noch weiter. Ein besonders übermütiger Stern ließ im Takt der Musik sein Licht aufblitzen. Das helle Licht störte Lucy und Tim. Denn eigentlich hätten sie jetzt doch gerne geschlafen.
Aber es blieb ihnen nichts anderes übrig, als aus den Betten zu krabbeln und im Zimmer zu spielen. Zum Schlafen war es viel zu laut und zu hell.
Am nächsten Morgen waren sie dann sehr müde. Tim schlief sogar am Frühstückstisch ein. Um ein Haar wäre er mit dem Kopf auf den Teller und in sein Marmeladenbrot gefallen. Lucy konnte ihn gerade noch an der Schulter erwischen. Auf dem Weg zum Kindergarten sahen sie einen Hund. Er war zu schläfrig, um sein Fressen zu beachten und schlich mit hängendem Kopf über die Straße. Nur gut, dass kein Auto kam. "Ob ihn der müde Fahrer überhaupt bemerkt hätte?", fragte sich Tim.
Niemand freute sich mehr darüber, dass die laute Feier am Himmel weiter andauerte. Viel gespielt wurde nicht und auch nicht mehr viel gelacht. Die Menschen waren nur noch müde und gereizt. Sie schimpften schnell mit den Kindern oder schrieen sie sogar an. Das war überhaupt nicht mehr lustig, fanden Lucy und Tim. Und sie beschlossen mit dem Mond zu reden.
"Hört mal, Mond und Sterne", rief Tim abends aus dem Fenster. "Bitte seid leiser, wir wollen so gerne schlafen." Es dauerte einige Zeit, bis der Mond sie bei dem Krach hörte. Dann sah er, wie erschöpft die Kinder waren, und er schämte sich. "Wir haben nicht darüber nachgedacht, dass ihr jeden Tag schlafen müsst", entschuldigte er sich. Und er versprach, das Fest zu beenden. Seit dieser Nacht ist es leise am Himmel. Mond und Sterne flüstern nur noch miteinander.
Doch hin und wieder lässt der übermütige Stern immer noch sein Licht funkeln. Wenn du genau hinschaust, kannst du es vielleicht sehen.
Von Sandra Kaletka aus Frankfurt am Main.

Der kleine Pascal lief übermütig durch den Garten. Den ganzen Tag war er draußen gewesen. Er hatte verstecken gespielt, den Fischen im Teich zugeschaut, die Bienen und Vögel beobachtet und auf den Sommer gewartet. Jetzt kam er atemlos bei seiner Mutter an und stupste sie an "Lass uns Fangen spielen", bat er. Die Mutter aber ermahnte ihn: "Es ist Zeit fürs Bett, komm mit ins Haus. Ab in die Badewanne und ein warmes Essen und dann wird geschlafen!"
"Ich bin noch gar nicht müde", meckerte er. "Ich möchte lieber noch eine Runde um das Schwimmbad laufen." Aber seine Mutter bestand darauf und Pascal kam mit ins Haus. Schlecht gelaunt ließ er sich baden, es machte ihm eigentlich Spaß, aber heute nicht. Den gekochten Brei aß er ohne große Freude und ohne Widerworte legte er sich ins Bett. Er hatte einen Plan. Wenn alles still ist, dann geht er einfach noch mal in den Garten.
Sobald alle schliefen stand er vorsichtig wieder auf. Zuerst stakste er zum Teich. Bestimmt würde er dort die Fische und Frösche finden. Doch außer den Seerosenblättern war nichts zu sehen. Er ging weiter zum Schwimmbad - aber hier gab es auch nichts zu entdecken. Enttäuscht stampfte Pascal auf den Boden. Er hätte gerne mit den Vögeln und Bienen fangen gespielt.
"Was suchst du hier?" Eine Maus saß hinter dem Trog und lachte ihn an. Ihre Augen glitzerten schelmisch. "Das ist unser Garten", protestierte Pascal. "Dann fang mich doch", kicherte die Maus. "Fang mich, wenn du kannst!" Dann drehte sie sich um und war blitzschnell im Garten verschwunden. Verblüfft blickte Pascal ihr nach. Er konnte kaum glauben, dass die freche Maus mit ihren kurzen Beinen so schnell laufen konnte.
Ein Windstoß rüttelte an der Hüttentür. Mit einem leisen Knacken sprang das alte Schloss auf, und die Tür öffnete sich ein Stück. Wenn er durch die Tür ginge, wäre er bei seinen Spielsachen. Aber inzwischen war es dunkel geworden, und Pascal konnte drinnen nichts mehr erkennen. Ob sie überhaupt noch da waren, fragte sich Pascal. Vielleicht verschwindet nachts alles und es war deshalb nicht mehr zu sehen.
Er fürchtete sich ein bisschen, aber neugierig war er auch. Plötzlich schwebte ein leuchtender Punkt vor der Tür. Das seltsame Licht wollte sich Pascal genauer anschauen, also wagte er sich mutig ein Stück näher. Es war jetzt so finster, dass er die Hand vor Augen nicht mehr sah. Doch dann kam der Mond hinter einer Wolke hervor, und er erkannte die Umrisse des Gartens. Es ist alles noch da, jubelte Pascal leise. Die Nacht verschluckt die Sachen nicht, sie versteckt sie nur.
Während sich Pascal noch umschaute, flog der helle Punkt direkt an seiner Nase vorbei. Pascal griff danach, aber er erwischte ihn nicht. Das Licht schien mit ihm spielen zu wollen, denn immer wenn er näher kam, flog es ein Stückchen zur Seite. Dich krieg ich noch, grummelte Pascal, und bald drehte er sich wild im Kreis. Irgendwann blieb er erschöpft und schwindelig stehen. Das helle Pünktchen wartete einen Moment, aber als klar war, dass Pascal nicht mehr spielen wollte, schwirrte es davon. Müde ließ er sich ins Gras fallen und gähnte. Keinen Schritt würde er heute mehr laufen, beschloss Pascal und legte den Kopf ins Gras.
Und als er sich umdrehte bemerkte er, dass er friedlich in seinem Bett lag und alles nur ein Traum war. Zufrieden und mit einem Lächeln auf den Lippen schlief er weiter und freute sich auf morgen, da würde er das leuchtende Pünktchen suchen und fangen! Bestimmt!
Von C. Wittmann, Passau

Plitsch, der kleine Wassertropfen, lebte in einer watteweißen Wolke. Er wohnte sehr gern darin. Oft sah er auf die bunte Welt hinunter und betrachtete etwas, das von oben wie geschlängelte blaue Linien aussah. Auf eine seltsame Art fühlte er sich davon angezogen, und manchmal seufzte er sehnsüchtig.
Im Laufe der Zeit zogen weitere Wassertropfen in die Wolke ein. Plitsch fand neue Freunde: Platsch und Sprüh. Häufig tobten die drei so wild durch die Wolke, dass es von der Erde her aussah, als würden sich ständig neue Zacken am Wolkenrand bilden.
Doch als immer mehr Wassertropfen ankamen, wurde es langsam eng in der Wolke. Plitsch, Platsch und Sprüh wurden von den Neuankömmlingen an den Wolkenrand gedrückt. Aus dem watteweißen Wölkchen wurde allmählich eine dunkle Regenwolke.
Plötzlich sprangen einige Tropfen neben den drei Freunden jauchzend in die Tiefe. "Was passiert denn jetzt?", fragte Plitsch überrascht. Platsch kannte das schon. "Mach einfach mit!", forderte er Plitsch auf. "Das macht Spaß!" Schon stürzte er sich ebenfalls aus der Wolke. "Wir regnen auf die Erde hinunter", erklärte Sprüh. "Das wird eine spannende Reise. Los, komm mit!" Gemeinsam mit Sprüh wagte auch Plitsch den Sprung in die Tiefe.
Rasend schnell ging es abwärts. Der Wind zerrte an Plitsch und formte ihn in eine perfekte Tropfenform. "Juhu!", jubelte der kleine Wassertropfen begeistert. Schnell kam die Erde näher. "Hoffentlich lande ich auf einer Blume", wünschte sich Sprüh. "Wohin möchtest du?" "Hm", überlegte Plitsch. "In dieses blaue Geschlängel", entschied er sich.
Dann war es soweit. Sprüh landete als erster. Und er hatte großes Glück: Strahlend tropfte er auf eine wunderschöne Blüte. Zärtlich wusch er ihr das Gesicht, bevor er langsam den Stängel herunterrutschte. Dann versickerte er im Boden. Plitsch hatte es nicht so gut: er plumpste auf einen großen Stein, der am Ufer eines Baches lag. "Aua!", jammerte er.
Doch als er Platsch neben sich entdeckte, vergaß er die Bruchlandung sofort. "Hallo, Platsch", freute er sich. Nach einer kurzen Begrüßung meckerte Platsch: "Zu ärgerlich! Ich hab' ihn verfehlt!" "Wen meinst du?", erkundigte sich Plitsch ratlos. "Na, den Bach", erklärte Platsch. "Das blaue Geschlängel, wie du es nennst. Von oben sehen Bäche und Flüsse ja auch wie blaue Linien aus."
"Das ist alles Wasser?", staunte Plitsch. "Ich wusste gar nicht, dass es so viel von uns gibt." Fasziniert schaute er in den fröhlich dahinplätschernden Bach. Da stieß Platsch seinen Freund an. "Da kommt jemand!", flüsterte er. Tatsächlich, ein Käfer näherte sich ihnen. "Vielleicht möchte er mich trinken", hoffte Platsch. "Hast du davor keine Angst?", fragte Plitsch. "Aber nein!" Platsch schüttelte so heftig den Kopf, dass ein kleiner Sprühnebel entstand. "Das ist doch unsere Aufgabe. Ohne uns könnten Menschen und Tiere nicht leben. Und auch die Pflanzen brauchen uns. Wir tränken den Boden, damit sie wachsen können."
"Wie unser Freund Sprüh", fiel Plitsch ein. "Aber was wird dabei aus uns?", fragte er hastig. Der Käfer hatte sie fast erreicht. "Wir treffen uns irgendwann wieder in einer Wolke", wusste Platsch. "Denn Wasser verschwindet nicht. Es versickert, spült davon, wird getrunken - aber immer taucht es wieder auf. Zum Beispiel unter der Erde im Grundwasser oder im Meer. Irgendwann verdunsten wir kleinen Tropfen und gelangen so erneut in eine Wolke.
Und alles beginnt von vorn." Er winkte Plitsch fröhlich zu, bevor der Käfer seinen Durst an ihm stillte und danach zufrieden wegkrabbelte. Plitsch blieb allein zurück. Was mache ich denn jetzt, überlegte er. Der Bach gurgelte einladend. Ich springe einfach da rein, beschloss Plitsch. Mutig verließ er seinen Platz auf dem Stein und floss in den Bach. Einem neuen Abenteuer entgegen.
Eine Geschichte von V. Hoffmann aus Bremen.

Nach einem langen, aufregenden Tag mit einem schönen Spaziergang und jeder Menge Spaß mit Mami, ist es nun schon wieder Zeit ins Bett zu gehen. Draußen ist es schon seit Stunden dunkel. Papi ist vor einer guten Stunde von der Arbeit nach Hause gekommen.
Überall leuchten Sterne, Monde, Sternschnuppen in den Fenstern. Alle freuen sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Für Hanna wird es das erste sein und sie ist fasziniert von den leuchtenden Weihnachtsbäumen und bunten Nikoläusen, die schon in den Gärten stehen.
Auch die kleinen Teddybären wissen, dass bald wieder Weihnachten ist. In der Vitrine geht es lustig zu, die Winterbären sind wie jedes Jahr in den Vordergrund gerückt und die Strandbären und Sommerbären ruhen genügsam im Hintergrund. In der Vitrine herrscht ein buntes Treiben. Santa Claus besorgt noch rasch die letzten Geschenke, die er den Kindern an Weihnachten schenken möchte und es wird fleißig gebacken und gekocht, schließlich soll es Weihnachten viele Leckereien geben.
Auch Mami ist seit Tagen damit beschäftigt, einkaufen zu gehen, Plätzchen und Stollen zu backen, Geschenke zu verpacken und die Wohnung zu schmücken. Schließlich soll es ein unvergessliches Weihnachtsfest für die Kleine und die ganze Familie werden.
Was Hanna noch nicht weiß, dass es ihr erstes, aber auch ihr einziges Weihnachten alleine mit Mama und Papa für sie bleiben wird. Sie hat noch nicht bemerkt, dass Mamis Bäuchlein zu wachsen scheint und ein kleines Brüderchen schon im nächsten Jahr mit ihr gemeinsam "leuchtende“ Augen bekommen wird, wenn das Glöckchen des Christkinds im Wohnzimmer erklingt.
Hanna ist jeden Tag aufs Neue von den vielen bunten, verschiedenen Teddyfiguren fasziniert, die Mami über einige Jahre mühsam gesammelt hat. Ihre Augen funkeln, wenn sie vor der Vitrine steht und den kleinen Kreaturen in die dunklen, lächelnden Knopfaugen schaut.
Die Teddybären scheinen Mamas ganzer Stolz zu sein und Hanna kann nicht verstehen, warum sie nicht mit den niedlichen Kerlchen spielen darf, sondern sie nur durch die Glasscheibe anschauen kann. Worte, wie zerbrechlich sind ihr noch nicht geläufig. Damit sie nicht traurig ist, hat Mami ihr einen kleinen Teddybären zum Kuscheln geschenkt und ihr versprochen, wenn sie größer ist, ihr einige der Teddybären zu schenken.
Nun ist es Abend und in der Vitrine geht das Licht aus, die Teddybären brauchen ihren Schlaf. Das heißt, nun ist es Zeit ins Bett zu gehen.
Hanna sagt den Bären "Gute Nacht" und Mami macht sie fertig für ihr Bett. Sie kuschelt sich in ihren mollig warmen Winterschlafsack, hält ihren kleinen Plüschhund Hannes fest im Arm und dankt dem lieben Gott für den wunderschönen Tag, den sie erlebt hat. Noch während Mami ihr eine der vielen Teddybärengeschichten erzählt, ist Hanna nuckelnd eingeschlafen.
Sie freut sich schon auf morgen, wenn Mami sie wieder singend aus dem Bettchen holt und sie gemeinsam in der Vitrine das Licht anknipsen werden und die Teddybären aus ihrem Schlaf erwachen.
Von S. Lenz, Bergheim-Fliesteden

Katharina hatte Geburtstag. Viele Besucher kamen und drückten ihr kleine und große Päckchen in die Hand. Geburtstagsgeschenke! Katharina packte Bilderbücher aus, bunte Spielsteine, eine Babypuppe, einen Plüsch-Eisbären und einen Spielzeug-Hund. In ihrem Kinderzimmer sah es bald aus wie in einem Spielzeugladen.
Katharina brauchte Platz für ihre neuen Sachen. Sie räumte den alten Teddy Tapsie aus dem Regal und warf ihn in eine Ecke. Autsch! Tapsie war auf harte Bauklötze gefallen. Mühsam setzte er sich wieder auf und rieb seinen schmerzenden Rücken. Die neuen Spielsachen blickten vom Regal neugierig auf ihn hinunter. "Wer bist du?", fragten sie. "Wohnst du schon lange hier?"
Tapsie nickte. "Ich war Katharinas erster Teddy", erklärte er stolz. Normalerweise ist das dort mein Platz im Regal." "Jetzt ist es unser Platz!", behaupteten die neuen Spielsachen. "Bestimmt wird Katharina ab jetzt nur noch mit uns spielen. Kinder lieben neue Dinge. Du dagegen bist alt. Dein Fell ist abgenutzt, und dein linkes Ohr hat einen Knick."
Tapsie schaute an sich herab. Sein Teddyfell war so oft gestreichelt worden, dass es tatsächlich an einigen Stellen ganz abgeschabt war. Und sein Ohr? Er erinnerte sich: Einmal hatte er zwischen dem Kinderbett und der Wand festgesteckt. Katharinas Mama hatte ihn zwar wieder befreit, doch sein Ohr hatte seitdem einen Knick. Ob Katharina deshalb die neuen Spielzeuge lieber hatte, grübelte der kleine Bär.
Die neuen Sachen gaben keine Ruhe: "Schau nur, wie dicht und glänzend mein Fell ist", prahlte der Spielzeug-Hund. "Und meines strahlt in hellem Weiß", schwärmte der Plüsch-Eisbär. Er wischte mit einer schneeweißen Tatze über seinen Bauch. "Du bist ja richtig schmuddelig", rümpfte er die Nase. "Mama sagen kannst du auch nicht!", mischte sich jetzt die Babypuppe ein. "Du bist langweilig! Mit dir spielt das Mädchen bestimmt nicht mehr."
In diesem Moment stürmten Katharina und ihre Geburtstagsgäste ins Zimmer. Den ganzen Nachmittag spielten die Kinder mit den neuen Sachen. Den alten Teddy ließen sie in der Ecke liegen. Tapsie hätte am liebsten geweint! Die anderen Spielsachen haben Recht, dachte er unglücklich. Katharina mag mich nicht mehr.
Allmählich wurde es Abend. Die Geburtstagsgäste verabschiedeten sich und gingen nach Hause. Katharina spielte noch ein bisschen mit dem Plüsch-Eisbär. Dann war es Zeit zum Schlafengehen. Das Mädchen zog ihren Schlafanzug an. Die neuen Spielsachen im Regal wurden ganz aufgeregt. Wen von ihnen würde Katharina mit ins Bett nehmen?
Katharinas Mutter kam ins Zimmer. "Ab ins Bett, Geburtstagskind!", lachte sie.
"Gleich, Mama", sagte Katharina. "Ich brauche noch ein Kuscheltier für mein Bett." Suchend blickte sie sich im Zimmer um. Alle Spielzeuge hielten gespannt den Atem an. "Ich nehme ... meinen alten Teddy! Da bist du ja, Tapsie!" Katharina holte den abgewetzten Bären aus der Ecke und drückte ihn fest an sich. Dann kletterte sie mit Tapsie im Arm in ihr Bett. Den verdutzten Spielzeugen im Regal blieb vor Staunen der Mund offen stehen.
"Schlaf schön", flüsterte Katharinas Mama. Liebevoll deckte sie das Mädchen und ihren Lieblingsteddy zu. Tapsie kuschelte sich glücklich in die Decke. "Gute Nacht, Mama", murmelte Katharina. Sie schlief schon fast. "Das war ein schöner Tag!"
Eine Geschichte von Sascha Schneider aus Bremen.

Eines Tages sagte das Kind zu seiner Mutter: "Ich will ganz weit fortgehen, hinaus in die weite Welt!" Da antwortete die Mutter: "Dann will ich mit dir gehen und dich beschützen, damit dir kein Leid geschieht."
"Dann werde ich zu einem wilden Fluss, dessen Wasser schnell durch die Lande fließt, damit du mich nicht einholen kannst.", sagte das Kind. Darauf entgegnete die Mutter: "Dann werde ich zum Land, das den Fluss umgibt und ihn in seine Bahnen lenkt." Daraufhin wurde das Kind wütend und sagte: "Dann werde ich zu einem Vogel, der schnell wie der Wind fortfliegen kann."
Da wurde die Mutter still, betrachtete ihr Kind liebevoll und sagte: "Dann grabe ich meine Wurzeln tief in die Erde und werde zu einem Baum, zu dem du dein Leben lang zurückkehren kannst."
M. Preußler, Kassel

"Schau´ mal Mama, hier ist es ja wunderschön. Diese saftigen Wiesen und wo man hinsieht Reisighaufen, die zum Verstecken einladen!" Der kleine Igel ist begeistert. Wenige Tage lebt er mit seiner Familie in Oberwiesen. Papa Igel hat dort eine Arztpraxis eröffnet. Nachdem alle tatkräftig renoviert haben, ist es nun endlich an der Zeit, die Gegend zu erkunden.
Während Papa seinen ersten Patienten, einen Vogel mit verstauchtem Flügel verarztet, schauen Mama Igel, Fritzchen und seine Schwester Isi sich um. In Gedanken sieht Fritzchen sich schon auf der Wiese liegen. Zwischen hohen Gräsern in der Sonne zu faulenzen ist nämlich sein liebstes Hobby...
Der nächste Tag fängt aufregend an. Fritzchen und Isi besuchen zum ersten Mal die Igelschule. Im Nu lernen sie sämtliche Igelkinder der Umgebung kennen. Isi verabredet sich gleich mit Becki, einem Igelmädchen aus Unterwiesen. Fritzchen zieht es vor, sich auf der Wiese zu sonnen.
Hier macht er sich Gedanken über die Hausaufgabe, die Frau Iglitt, die Lehrerin, ihnen aufgetragen hat. Sie bat die Kinder, sich zu überlegen, was sie später einmal werden wollen. Fritzchen fällt beim besten Willen kein Beruf ein, wo man den ganzen Tag faul herumliegen kann. Das Nachdenken macht das Igelkind so müde, dass es bald tief und fest schläft.
Zur gleichen Zeit macht sich die Schildkröte Amanda an die Arbeit. Das Gras in dieser Gegend wächst so schnell, dass man mindestens einmal in der Woche Rasenmähen muss. Singend mäht Amanda drauf los.
Igel Fritzchen träumt inzwischen in den buntesten Farben. Befreit er gerade noch einen Elefanten durch Igelakupunktur von Depressionen, so ist er plötzlich als Gärtner im Oberwiesener Zoo für die Rasenpflege zuständig.
Ein schepperndes Geräusch bereitet Fritzchens Traum ein jähes Ende. Erschrocken fährt er hoch. Er sieht in das Gesicht einer völlig verstörten Schildkröte- Amanda ! Die Schildkröte ist versehentlich mit dem Rasenmäher über Fritzchen gefahren.
"Geh-geh-geht es dir gut?" stottert Amanda, die noch immer unter Schock steht. "Na klar!" meint Fritzchen, der bisher nicht begreift, was eigentlich passiert ist. "Es tut mir so leid. Durch das hohe Gras konnte ich dich nicht sehen und nun habe ich deine schönen Stacheln abgefahren", erklärt Amanda.
Langsam dämmert es dem kleinen Igel. Er holt einen Taschenspiegel aus der Schultasche, schaut hinein und... erschreckt fürchterlich. Nicht ein einziger Stachel ziert seinen Kopf. Fritzchen läuft schnell zum nächsten Reisighaufen, um sich dort zu verstecken. Niemand soll ihn so sehen. Amandas Versuche, den kleinen Igel zu trösten scheitern. Traurig geht sie davon.
Plötzlich erhellt sich ihr Blick. Sie hat eine Idee! Schnell sucht sie Rudis Eisenwarenladen auf. Mit einem Einkaufsbeutel unter dem Arm läuft sie kurz darauf zurück zu Fritzchen. "Schließ´ deine Augen", bittet Amanda das Igelkind. "Öffne sie erst wenn ich es dir sage." Fritzchen wartet mit geschlossenen Augen auf die Dinge, die da kommen. Irgendetwas ruckelt an seinem Kopf herum. "Augen auf!" ruft Amanda und zückt den Spiegel. Fritzchen schaut hinein und erblickt...
...STACHELN !!! Er sieht wieder aus wie ein richtiger Igel. "Wie hast du das hinbekommen?" fragt Fritzchen freudestrahlend. Amanda erwidert:" Bis deine Stacheln nachwachsen, kannst du diese Drahtbürste tragen. Mit einem Gummiring kannst du sie dir jederzeit auf den Kopf schnallen."
Am nächsten Tag in der Schule wird Fritzchen von vielen staunenden Igelmädchen belagert. Die Igeljungen interessieren sich daraufhin brennend für Fritzchens neue Frisur. "Wie bekommt man so wunderbar gerade Stacheln?" fragt eines der Kinder. "Not macht erfinderisch", meint Fritzchen daraufhin. Inzwischen ist er sich auch sicher, was er später einmal werden möchte. Erfinder!
Danke Amanda...
J. Schmidt, Bad Grund

Tarik, der kleine Tiger, pirschte sich auf leisen Pfoten an seinen schlafenden Bruder heran. Als er ihn erreicht hatte, hob er seine kleine Tigertatze und haute sie ihm übermütig ins Gesicht. Balan erwachte. "Was soll das, Tarik? Lass mich schlafen!", murmelte er und streckte sich träge. Doch dazu hatte Tarik überhaupt keine Lust.
Erneut stupste er seinen Bruder an. Wie er es bei seiner Mutter gesehen hatte, zog er die Lippen von den Zähnen und fauchte. "Soll ich etwa Angst vor dir haben?", kicherte Balan. "Na warte!" Er sprang auf. Tarik drehte sich blitzschnell um und rannte davon. "Fang mich doch!", rief er und flitzte durch das Grasland auf den nahen Dschungel zu. "Nicht in den Wald, Tarik", rief Balan hinter ihm her. "Mama hat gesagt, wir sollen unter dieser Baumgruppe bleiben, bis sie wiederkommt." "Angsthase! Angsthase!", höhnte Tarik.
Er blieb am Waldrand stehen und schaute seinen Bruder herausfordernd an. "Komm schon, lass uns eine Entdeckungsreise machen!" Doch Balan schüttelte den Kopf. "Das ist viel zu gefährlich, hat Mama gesagt", warnte er. "Dann gehe ich eben allein!", drohte Tarik. "Mach doch - aber du traust dich eh nicht", antwortete Balan. Das wollte Tarik nicht auf sich sitzen lassen.
Das Tigerbaby drehte sich um und starrte in den dichten Urwald. Dort hinein war es noch nie allein gegangen. Unheimliche Geräusche von anderen Tieren drangen hervor. Tarik überlegte. Er schaute zu seinem feixenden Bruder hinüber. Was soll´s, ich bin schließlich ein Tiger, dachte Tarik. Er hob stolz den Kopf und marschierte in den Dschungel.
Nach der Helligkeit in der Savanne konnte er im dämmrigen Wald zuerst kaum etwas erkennen. Nach wenigen Schritten stolperte er über eine Wurzel. Aua, maunzte er erschrocken und leckte seine Pfote. Vorsichtiger tapste er weiter. Ein bunter Schmetterling flog um ihn herum. Tarik schnappte danach, aber er erwischte ihn nicht.
Der Falter flatterte jetzt dicht vor seiner Nase hin und her. Das ärgerte Tarik. Dich kriege ich, dachte er und setzte dem Falter nach. Doch jedes Mal, wenn er ihn erreichte, flog der Falter ein Stückchen höher hinauf, als Tarik springen konnte. Enttäuscht gab der kleine Tiger schließlich die Verfolgung auf. Verdutzt blickte er sich um. Durch sein Fangenspiel war er tiefer in den Dschungel geraten, als er es vorgehabt hatte. Hier war er noch nie gewesen.
Plötzlich plumpste etwas auf seinen Rücken. Verblüfft hopste Tarik in die Höhe. Ein Kreischen war zu hören, und ein weiteres Teil landete auf seinem Kopf. Und wieder eines auf seinem Rücken. Jetzt hagelte es kleine Hölzchen und Steine auf ihn herab. Braune Tiere mit langen Armen und Beinen tauchten zwischen den Bäumen auf, die sich einen Spaß daraus machten, ihn zu bewerfen. Dabei ließen sie ein vergnügtes Kreischen hören. Tarik machte, dass er davonkam.
Ein grüner Papagei hatte alles beobachtet. Nachdenklich blickte er hinter dem davonstürmenden Tigerbaby her. Was macht der kleine Tiger so allein im Wald, überlegte er. Na, ich werde besser mal ein Auge auf ihn haben. Er breitete seine Flügel aus und flog ihm nach. Tarik war der Affenhorde inzwischen glücklich entkommen. Außer Atem ließ er sich unter einen Busch plumpsen. Wie finde ich nur wieder zurück in die Savanne, grübelte Tarik. Hier gefällt es mir gar nicht! Es ist laut und düster und niemand möchte mein Freund sein. Traurig ließ er den Kopf auf die Tatzen sinken. Da hörte er ein Krächzen. Tarik schaute auf. Ganz in der Nähe flatterte der grüne Vogel aufgeregt auf und ab.
"Lass mich bloß in Ruhe!", fauchte Tarik. Stattdessen kam der Papagei auf ihn zugestürzt. Tarik zog den Kopf ein. Der Vogel landete dicht neben ihm auf dem Boden. Er machte ein Heidenspektakel und schien nach etwas zu picken. Tarik guckte genauer hin und erstarrte vor Schreck. Eine kleine Schlange hatte sich angeschlichen. Sie sah aus, als ob sie ihn jeden Moment beißen wollte. "Lauf weg!", krächzte der Papagei. "Ich lenke sie ab." Das ließ sich Tarik nicht zwei Mal sagen. Er sprang auf und brachte sich mit einigen wilden Sätzen in Sicherheit. Die Schlange zischte ärgerlich.
"Das war knapp", sagte Tarik erleichtert, als der Vogel zu ihm geflogen kam. "Danke!" "Ich habe dir gern geholfen", versicherte der Papagei. "Übrigens, ich heiße Coco." "Ich bin Tarik", erklärte der kleine Tiger. "Und ich möchte zurück in die Savanne zu meinem Bruder und zu meiner Mama." "Ich kann dir den Weg zeigen", versprach Coco. "Wir sind doch jetzt Freunde. Los, komm mir nach!" Er flog vor Tarik her und führte ihn sicher zum Waldrand zurück. Dort verabschiedeten sich die beiden voneinander.
Das Tigerbaby stapfte durch das trockene Gras zurück zu seinem Bruder. Balan hatte lange auf Tarik gewartet und war darüber eingeschlafen. Auch Tarik war müde. Er kuschelte sich an Balan und gähnte. Dann schlief er ein. Kurze Zeit später kam die Tigermutter von der Jagd zurück. Liebevoll blickte sie auf ihre schlafenden Jungen. Das war aber ein wildes Spiel, schmunzelte sie, als sie Tariks zerzaustes Fell betrachtete. Dann senkte sie den Kopf und leckte mit der Zunge die kleinen Hölzchen heraus, die sich im weichen Tigerfell verfangen hatten. Tarik schnurrte zufrieden im Schlaf.
Eine Geschichte von K. Greiner aus Abstatt.

Jonas weinte. Mal wieder. Jonas weinte ständig.
Diesmal hatte seine Schwester sein Auto weggenommen, weil sie ihn ärgern wollte. Er schmiss sich auf den Boden, hämmerte mit beiden Händen auf die Steine und presste sich einige Tränen aus den Augen, um seinem Ärger mehr Ausdruck zu verleihen. Mehrere Tränen kullerten aus seinen Augen. Eine der Tränen kullerte ganz schnell heraus und beeilte sich, von Jonas fortzukommen.
Die Träne dachte: Endlich, endlich kann ich weg von Jonas. Dieser kleine verzogene Junge. Der heult so viel und ist immer so trotzig, ich mag nicht mehr bei ihm sein. Er tut immer so, als sei er furchtbar traurig, dabei ist das alles nur gespielt, um seinen Willen durchzusetzen. Ich kullere fort, weit weg von Jonas und suche mir ein fröhliches Gesicht.
Sie kullerte schnell von Jonas fort, hinaus zum Gartentor und über die Straße. Sie folgte der Straße bis sie zu einer grünen Wiese kam. Dort entdeckte sie einen Stall mit Schweinen und Kühen drin. Sie kullerte in den Stall hinein, um nachzusehen, ob dort glückliche Tiere wohnten und sie ein neues Zuhause fand. Dort standen nebeneinander in großen Boxen viele Kühe. Die Schweine waren alle in einem großen Stall untergebracht.
Hallo, sagte die Träne: Seid ihr glücklich? Muhhhhh, brummte eine Kuh: Nein, sind wir nicht. Siehst du die große Wiese vor unserem Stall? Wir dürfen sie nur ansehen, aber nicht betreten. Und wir haben solche Sehnsucht danach, auf ihr weiden zu dürfen.
Genau, sagten die Schweine, wir sind auch nicht glücklich. Auf der Wiese ist ein riesiges Schlammloch, in dem wir uns gerne suhlen würden, aber wir dürfen nicht auf die Wiese. Der Bauer hat keine Lust, uns jeden Tag wieder einzufangen, wenn wir abends wieder in den Stall sollen. Deshalb lässt er uns erst gar nicht aus dem Stall heraus.
Die Träne antwortete: Aber ihr habt doch hier alles. Ihr bekommt Futter und Wasser und der Bauer melkt euch regelmäßig. Außerdem habt ihr viel Auslauf in eurem Stall, der ist doch riesengroß. Reicht das denn nicht?
Nein, sagten die Tiere. Wir wollen auf die Wiese. Und weiter ging das Gemecker der Tiere.
Oh je, dachte die Träne, hätte ich bloß nicht gefragt. Jetzt hören die gar nicht mehr auf zu schimpfen und ich muss mir das alles anhören. Heimlich kullerte die Träne zum Stallausgang und verschwand. Sie hörte die Tiere noch eine ganze Weile schimpfen. Sie wollte kein Gejammer mehr hören, sie wollte endlich ein glückliches Gesicht sehen und somit ein schönes zu Hause haben.
Sie kullerte weiter und kam in die nächste Stadt. Dort kam sie zu einer Schule. Viele Kinder liefen auf dem Schulhof herum. Sie kullerte in eine Ecke des Schulhofes und schaute sich um. Ihr Blick fiel auf eine Gruppe Mädchen, die sich zankten.
Das ist meine Puppe, heulte das eine Mädchen. Nein, schrie ein anderes größeres Mädchen zurück, das ist meine. Ich habe sie in einem Klassenzimmer gefunden. Aber ich habe sie doch verloren, rief das erste Mädchen. Na und, gefunden ist gefunden, rief das große Mädchen. Und dann ging die große Heulerei los.
Schnell weg hier, dachte sich die Träne und rollte weiter. Auf ihrem Weg auf der Suche nach einem fröhlichen Gesicht kam die Träne an einem Altenheim vorbei. Sie rollte hinein und traf auf einen alten Herrn, der im Bett lag Bist du glücklich, fragte die Träne. Warum sollte ich glücklich sein, antwortete der alte Mann. Ich liege hier im Bett, abgeschoben von meiner Familie. Keiner will mich mehr haben.
Aber du kannst doch nicht mehr laufen, antwortete die Träne. Wie soll dich deine Familie dann pflegen? Da bist du doch hier gut aufgehoben, da bekommst du Hilfe und hast andere Heimbewohner zum Spielen und Reden. Außerdem besucht deine Familie dich doch oft. Du bist soweit gesund und dir geht es gut. Warum kannst du hier nicht glücklich sein? Ich will hier gar nicht glücklich sein, antwortete der alte Mann.
Oh nein, dachte sich die Träne. Schon wieder einer, der unglücklich sein will und sich selber Probleme macht. Sie kullerte schnell aus dem Altenheim hinaus.
Sie kam an einen Garten in dem zwei Familien mit Kindern grillten. Sie meckerten über den bewölkten Himmel und die verpasste Chance, bei sonnigem Wetter zu grillen und im Garten zu liegen.
Die Träne rollte erst gar nicht näher an den Garten heran. Sie sah schon die verkniffenen Gesichter und wollte erst gar nicht fragen, warum sie nicht glücklich waren. Sie rollte unter einen Baum und fragte sich, ob sie überhaupt auf der Welt ein glückliches Gesicht finden würde. Sie glaubte schon gar nicht mehr daran.
Alle Gesichter, die sie bisher getroffen hatte, waren unfroh und konnten sich nicht über Kleinigkeiten freuen. Sie wollten alle etwas für sie Unerreichbares haben und waren deshalb unglücklich. Aber die Träne wollte die Welt auch nicht verbessern. Sie wollte nur selber glücklich sein und deshalb musste sie auch für sich selber einen Weg finden, damit sie das wurde.
Tief in ihre Gedanken versunken kam sie an einem Krankenhaus vorbei. Sie kullerte hinein und gelangte auf eine Station für gelähmte Menschen. Sie traf auf einen kleinen lächelnden Jungen, der im Rollstuhl saß. Wie kannst du lachen, obwohl du nicht laufen kannst, fragte die Träne.
Das will ich dir gerne erklären, antwortete der kleine Junge: Ich liege seit einiger Zeit auf dieser Station. Ich hatte einen Unfall und kann meine Beine nicht mehr bewegen. Ich musste lernen, wie man mit einem Rollstuhl umgeht und wie ich mit anderen Kindern spielen kann, ohne meine Beine bewegen zu können. Dafür war ich lange Zeit von meiner Familie getrennt und die ganze Zeit hier sehr allein.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich meinen eigenen Rollstuhl bekommen habe und zu meiner Familie nach Hause zurückkehren kann. Denn ich habe hier gelernt, mit meiner Behinderung zu leben und damit umzugehen. Da meine Eltern gleich kommen werden und mich nach Hause bringen, freue ich mich, dass es mir gut geht und ich nicht mehr alleine bin.
Du bist aber ein netter zufriedener Junge, sagte die Träne. Du bist das erste zufriedene Gesicht, das mir begegnet ist, obwohl du wirklich einen Grund hättest, unglücklich zu sein. Darf ich bei dir bleiben und mit dir nach Hause gehen? Ich wünsche mir doch so sehr ein glückliches und fröhliches Zuhause.
Gerne, sagte der kleine Junge im Rollstuhl. Ich kann einen kleinen treuen Freund gebrauchen.
Eingesandt von S. Semelka, Bochum

Das Sandmännchen ist ein Zwerg, der einen großen Sack auf dem Rücken trägt. Abends, in der Dämmerung, macht es sich auf die Socken. Dann geht es über Land. Es ist aber so winzig und schleicht so vorsichtig vor sich hin, dass niemand es sehen und erkennen kann. Ach, das arme Sandmännchen hat viel zu tun ! Alle Kinder muss es besuchen, die in ihren warmen Betten liegen und schlafen.
Da muss der Sandmann flitzen. Zuerst besucht er die kleinen Kinder. Er nimmt etwas Sand aus dem Sack und streut ihn den Kleinen in die Augen: Ein Körnchen ins rechte Auge, eins ins linke! Und dann schlummert das Kind ganz sacht, und manchmal beginnt es sogar zu schnarchen. Das hört das Sandmännchen freilich nicht mehr; denn es ist längst weitergeeilt zu den größeren Kinder.
Auch ihnen bläst es ein Körnlein in die Augen, damit sie schlafen. Wenn das Sandmännchen einmal ein Kind vergessen würde, das wäre schlimm: Es könnte bestimmt nicht einschlafen und würde die ganze Nacht über wach bleiben. Wie gut, dass es den Sandmann gibt. Das Sandmännchen selber darf nachts nie schlafen; aber vielleicht schläft es am Tag ein bisschen, so um die Mittagszeit. Man müsste es einfach mal danach fragen. Würdest du es tun, wenn es heute Abend zu dir kommt ?
St. Wehr, Fehl-Ritzhausen

Bereits vor langer, langer Zeit, als auf der Erde noch Steinzeitmenschen und Mammuts hausten, stand der Mond schon am Himmel. Genauso wie heute schlief er tagsüber hinter den Wolken versteckt und schien nachts auf die Erde. Jedoch war er nicht so schön gelb, wie wir in ihn heute kennen, sondern blass und käsig.
Dem Mond war zu jener Zeit auch oft kalt. Er zitterte und klapperte mit seinen Zähnen, obwohl ihm ein Engelchen einmal einen langen weißen Schal und dicke Socken gestrickt hatte. Und eines Tages zog sich der Mond auch noch eine Erkältung zu. Er nieste und hustete so laut, dass man es bis zur Erde hinab hören konnte.
Die Menschen bekamen Angst, denn sie wussten ja nicht, dass der Mond einen Schnupfen hatte. Die Sterne blickten besorgt zur Erde hinab. "So kann es nicht weitergehen!", raunten sie einander zu. Gemeinsam mit dem Mond überlegten sie hin und her, was sie denn tun könnten. Ein alter weiser Stern schlug schließlich vor, die Sonne um Rat zu fragen.
Gleich am nächsten Tag stand der Mond zwei Stunden früher auf als sonst, um die Sonne noch rechtzeitig vor ihrem Untergang zu treffen. Die Sonne freute sich sehr über den Besuch des Mondes. Sie war eine nette dicke ältere Dame, die viel lachte und schwatzte. Sie erzählte dem Mond viel davon, was sie tagsüber alles auf der Erde beobachtete. Der Mond merkte, wie ihn ein warmes und wohliges Gefühl durchströmte. Er begann heller und heller in einem satten, kräftigen Gelb zu leuchten. Ihm war gar nicht aufgefallen, wie einsam und leer er sich bislang gefühlt hatte.
"Natürlich!" überlegte er "Die Sterne erscheinen nur gemeinsam am Himmel, die Schäfchenwolken ziehen nur in Gruppen über das Land und sogar der Wind trifft sich des öfteren mit dem Sturm zum Kaffee."
Seit jener Zeit sieht man übrigens immer wieder einmal den Mond am späten Nachmittag bei einem Pläuschchen mit der Sonne am Himmel stehen.
Eingesandt von B. Piegendorfer, Kumhausen
