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Fitness für Kinderköpfe

 

Das Vorlesen war über Jahrhunderte die gängigste Form der Unterhaltung für Kinder. Auf dem Schoß oder zu Füßen der Mütter oder Großmütter saßen sie und hörten Märchen, Reime und Gedichte. Beim Vorlesen geht es jedoch um viel mehr als die reine Unterhaltung der Kleinen.


Studien belegen, dass sich die Sprach- und Lesefähigkeit ganz entscheidend in den ersten Lebensjahren entwickelt. Lange bevor Ihr Kind in der Schule lesen und schreiben lernt, erlernt es durch Zuhören, Deuten und Nachsprechen die Verbindung von Bildern mit Sprache und Schrift. Vorlesen fördert das Sprachvermögen und die Konzentrationsfähigkeit Ihres kleinen Schatzes und regt zudem seine Phantasie an. Kindern, die bereits früh und regelmäßig mit Büchern in Kontakt kommen, fällt es später auch leichter, selber zu lesen - und zu lernen. Achten Sie jedoch auf die individuelle Entwicklung Ihres Kindes. Lesen soll Spaß machen und keinen Druck ausüben oder gar überfordern.

Aller Anfang ...

Liebevolle Zuwendung ist für Babys das Wichtigste. Das gemeinsame Vorlesen oder Betrachten eines Bilderbuches fördert die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Wohlbefinden, das Ihr Kind daraus erfährt, verbindet es ein Leben lang mit Büchern. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre. Die Vorlesestunde, als tägliches Ritual zu einer festen Zeit (z. B. vor dem Schlafengehen oder wenn das jüngere Geschwisterchen seinen Mittagsschlaf hält), macht Spaß und gibt Ihrem kleinen Schatz Sicherheit. Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die beste Vorlese-Zeit. Hauptsache täglich, auch wenn es nur 20 Minuten sind. Sollte Ihr Kind unruhig werden, können Sie die Lesestunde auch auf zwei Einheiten pro Tag - z. B. vor dem Mittagsschlaf und vor dem ins Bett gehen - aufteilen.

Bei der Auswahl der Bücher sollten Sie darauf achten, Bücher mit großen freundlichen Motiven und wenig Text zu nehmen. Zu viele Details überfordern. Ist Ihr Kind schon alt genug, sollte es das Buch selbst auswählen. Doch was ist nun die beste Art, mit Babys und Kleinkindern Bücher anzugucken?

Sprache lernen, sprechen lernen

Babys lernen mit allen Sinnen. Zu Beginn nehmen Kinder die Dinge in ihren Bilderbüchern nur als zweidimensionale Objekte wahr, die nichts mit ihrer Umwelt zu tun haben. Sie wollen noch keine ganze Geschichte vorgelesen bekommen, aber sie lieben vertraute Stimmen, Reime, Lieder oder Fingerspiele. Dabei kommt den Kleinen zu Gute, wenn sie die Nähe der Eltern spüren. Das schafft Geborgenheit und nimmt den Druck - beste Voraussetzung, um Spaß am Lesen zu entwickeln.

"Da! Wau-Wau"

Kinder lieben Wiederholungen, denn so trainieren sie ihr Gedächtnis und bekommen ihre Fähigkeiten bestätigt. Ungefähr ab dem sechsten Lebensmonat kann ein Kind Farben und Formen wahrnehmen. Langsam beginnt Ihr Kind, einzelne Tiere oder Gegenstände im Lieblingsbuch wiederzuerkennen. Babys wollen die Bücher anfassen, in den Mund nehmen und auf Bilder zeigen. Besonders spannend für die Kleinen ist es, wenn Sie den Bildern auch Geräusche zuordnen - der Hund, der macht "Wau", die Katze "Miau". Sie wollen mitbestimmen, welche Seite angeschaut wird und wie oft.

Ungefähr ab dem ersten Lebensjahr lernen Kinder das Gesehene im Buch mit dem in Verbindung zu bringen, was sie jeden Tag erleben. Dann wird der Hund des Nachbarn auch ein Wau-Wau. Dieser Lernprozess ist besonders wichtig, damit Kinder später Buchstaben und Worte verstehen und erlernen.

Nicht zu schnell!

Nach und nach begreifen die Kleinen, dass Bücher Geschichten erzählen. Diese wollen sie dann auch ganz hören. Da kann es passieren, dass Ihr Schatz protestiert, weil Sie vergessen haben, den Vogel aus der Lieblingsgeschichte zu erwähnen oder die Geschichte bewusst geändert haben, um sie spannender zu gestalten. Kinder lieben endlose Wiederholungen, weil die Erkenntnis, dass sie Dinge wiedererkennen, ein echtes Erfolgserlebnis darstellt und darüber freuen sie sich. Andererseits finden die Kleinen überraschende Änderungen der gewohnten Geschichte spannend und fesseln die Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, was dem Kind besonders viel Freude bereitet.

Gestalten Sie das Lesen gemeinsam: Wenn Sie Ihr Kind mit einbeziehen, steigern Sie sein Selbstbewusstsein. Fragen Sie zum Beispiel: "Wie macht der Hund?" oder "Wo ist das Pferd?" So sagen Sie Ihrem Liebsten: Du bist ja schon so groß und so klug. Ausgeprägte Mimik und Gestik oder unterschiedliche Stimmlagen erhöhen die Aufmerksamkeit Ihres Kindes und sorgen für zusätzlichen Spaß beim Lesen.

Mehr dazu

Unter der Schirmherrschaft von Doris Schröder-Köpf engagiert sich die Initiative "Deutschland liest vor" für das Vorlesen. Möglichst viele Menschen in Deutschland sollen dafür gewonnen werden, Kindern vorzulesen. Unter www.deutschland-liest-vor.de erfahren Sie zum Beispiel, welche Bücher gut für Kinder sind oder bekommen Tipps für den Einstieg als Vorleserin. Schöne Gute-Nacht-Geschichten aus aller Welt finden Sie hier.