

Wahrscheinlich werden Sie fassungslos vor Glück, Staunen und Erleichterung sein, wenn alles gut gegangen ist. Ihr Baby erkennt Ihre Stimme und Ihren Herzschlag wieder und wird sich in Ihren Armen rasch von den Anstrengungen der Geburt erholen. Dann ist es ruhig, wach und neugierig.
In diesem sogenannten aktiven Wachzustand öffnen viele Babys die Augen und suchen staunend Ihren Blick. Sie werden sich Ihrem Baby ganz nah zuwenden, es anschauen und kaum glauben, was mit Ihren Gefühlen passiert. Ihre neue Mutterstimme sagt: "Hallo, Baby". Und als Antwort umklammert Ihr Kind einen Ihrer Finger, so als würde es sagen: "Ja, ja, ich bin da." Ist der Vater dabei, wird auch er tasten, fühlen, weiche Töne von sich geben und sicher überraschend weiche Knie haben.
Viele Eltern empfinden in den ersten Stunden mit dem Baby so viel intensives Glück oder so starke Emotionen wie nie zuvor in ihrem Leben. Aber es ist auch normal, verwundert und verunsichert zu sein über dieses kleine Wesen, das Sie nicht kennen und das nicht so aussieht, wie Sie es sich vorgestellt haben. Zerknautscht oder verklebt von Fruchtwasser und Käseschmiere hat es vielleicht noch nichts von einem rosigen Traumbaby. Keine Sorge. Große Lieben waren nicht immer Liebe auf den ersten Blick. Sie haben noch unendlich viel Zeit für die Entwicklung Ihrer Beziehung.
Ist das Baby okay? Sie wissen es in Minuten. Der erste Gesundheitscheck (U 1) ist für alle Babys der APGAR-Test, genannt nach der Ärztin Virginia Apgar. Nach ihrer Methode werden Babys in den ersten Minuten in drei Stufen untersucht und bekommen Punkte von 0 bis 2 für Atmung und Herzschlag, die Reaktion auf Reize, die Muskel- und Bewegungsfunktion und die Hautfarbe. Ein rosiger, bläulicher oder blasser Ton gibt wichtige Hinweise über den Zustand des Babys. Außerdem wird ein Bluttest aus der Nabelschnur zur Kontrolle der Sauerstoff-Versorgung entnommen.
Babys machen Punkte wett. Oft recht schnell. Babys mit niedriger Punktzahl bzw. anfänglichen Störungen erholen sich oft in wenigen Stunden. Sie werden laufend beobachtet. Bei dringlichen Problemen kommen sie auf dem schnellstem Weg in die guten Hände spezialisierter Kinderärzte, der Neonatologen. Eltern werden über die Befunde und notwendigen Behandlungen umfassend informiert, weil Kooperation für das Baby ganz wichtig ist.
Beide betreuen Sie nach der Geburt und schauen, wie Sie alles überstanden haben und mit der enormen körperlichen Umstellung zurechtkommen. Die Hebamme kommt auf Wunsch bis zum zehnten Tag nach der Geburt ins Haus, bei Bedarf auch danach. Laut Mutterpass sind zwei Untersuchungen geplant: Die erste Wochenbett-Untersuchung, die meist noch in der Klinik stattfindet und die zweite Untersuchung in der 6. bis 8. Woche. Ihre Geburtshelfer werden Sie auf diese Termine hinweisen. Sie sind wichtig für einen gesunden Start mit Ihrem Baby. Und für später.
Vom dritten bis zehnten Lebenstag hat Ihr Baby seinen nächsten Arzttermin. Wenn Sie noch in der Klinik sind, ist ein Kinderarzt für die U 2 an Ort und Stelle. Sonst brauchen Sie eine Anmeldung in einer Praxis. Neben der allgemeinen Untersuchung werden verschiedene Stoffwechsel-Tests gemacht, z.B. des Eiweißstoffwechsels, des Kohlenhydrat-Stoffwechsels und der Schilddrüsenfunktion. Werden Störungen nicht früh erkannt, sind geistige und körperliche Behinderungen möglich. Bei bekannten Auffälligkeiten in der Familie wird das sogenannte Screening erweitert.
Der Kinderarzt wird außerdem die Rachitis- und Kariesvorbeugung besprechen. Die Ultraschall-Untersuchung des Hüftgelenks wird oft schon bei der U2 anstatt bei der U3 durchgeführt.
Versäumen Sie keine Früherkennungs-Untersuchung, auch wenn Ihnen Ihr Kind total okay vorkommt oder Sie bei kleinen Auffälligkeiten denken: "Das gibt sich schon".
Störungen, die rechtzeitig erkannt werden, sind in den ersten Jahren entweder völlig heilbar oder mit Therapie ganz gut in den Griff zu bekommen. Die Früherkennungs-Termine sind außerdem mit den Impfterminen zu verbinden.
Die meist harmlosen Auffälligkeiten am Anfang:
Gewichtsverlust: Ein gewisser Rückgang ist in den ersten Tagen völlig normal.
Niesen: Das ist keine Erkältung. Babys trainieren ihre Atemwege.
Pickel und Pusteln: Verschwinden in der Regel rasch und sind noch keine Allergiezeichen.
Spucken und Verschlucken: Der Schluckreflex muss ausreifen. Kein Problem, wenn sich Ihr Kind gut entwickelt. Nur behutsam füttern.
Bläuliche Hände und Füße, wenn es dem Baby kalt wird: Die Klimaregulierung ist noch in den Anfängen. Bleibt die bläuliche Hautfarbe, unbedingt den Kinderarzt fragen.
Was Sie dem Kinderarzt berichten sollten:
Bei einer Neugeborenen-Gelbsucht werden Babys mit weißem Licht (Enzym-Induktion) in einem Wärmebett bestrahlt. Ohne Nebenwirkung. Die Behandlung fördert die Bildung von Enzymen in der Leber und damit den Bilirubin-Abbau. Sie können Ihr Baby weiter stillen.
10 Monate lang waren Stoffwechsel, Gewebe, Muskeln und Organe auf Schwangerschaft programmiert. Wasser wurde eingelagert, Organe vom Baby beiseite geschoben. Jetzt ist der Rückwärtsgang eingelegt. Die Hormonproduktion der Plazenta entfällt im Augenblick der Geburt. Schilddrüse und Nebenniere senken ihre Mehrausschüttung auf Normalmaß. Kein Wunder, wenn Sie mal einen Schweißausbruch mal einen Fröstelanfall haben. Störung meldet oft auch die Blase durch unwillkürliches Tröpfeln, weil das Baby lange darauf gedrückt hat. Und es zieht im Bauch. Das Hormon Oxytozin löst Nachwehen zur Rückbildung der Gebärmutter aus. Beim Stillen gibt Ihr Baby sogar Signale zur Ausschüttung dieses Hormons. Manchmal spüren Sie rasch die Wirkung.
Wochenfluss wird etwa 3 bis 4 Wochen lang lästig sein. Das Sekret entsteht durch die Abheilung der Plazentawunde. Es ist in der ersten Woche blutig, in der zweiten braunrot, geht dann in gelb über und wird immer heller. Duschen ist in dieser Zeit hygienischer als baden, auch zum Schutz der Brust vor Infektionen.
In der Zeit des Wochenflusses sollten Sie keinen Verkehr haben oder zumindest nur mit Kondom, um Infektionen zu vermeiden. Nach Dammschnitt warten Sie besser bis zur völligen Heilung. Stillen ist kein sicherer Schutz vor einer neuen Schwangerschaft. Lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt beraten, wenn Sie sicher gehen wollen. Mit dem Stillen vereinbar ist die Minipille, die Spirale oder ein Hormonstäbchen, das im Oberarm unter der Haut platziert wird und ca. 3 Jahre wirkt. Es ist jederzeit entfernbar.
Viele Mütter sind anfangs verwirrt, wenn ihnen aus heiterem Himmel zum Heulen ist oder trotz Babyglück eine merkwürdige Traurigkeit oder Verzweiflung aufkommt. Das Hoch und Tief der Gefühle ist völlig normal. Sie haben viel geleistet, sind empfindlicher, fühlen sich vielleicht erschöpft und leer. Fragen können hochkommen wie: "Kann ich überhaupt eine gute Mutter sein?" oder: "Steht mein Partner das mit mir durch?". Vielleicht haben Sie auch eine schwere Geburt gedanklich zu verarbeiten. Und das Durcheinander der Hormone mischt beim Auf und Ab mit. Nehmen Sie es gelassen, so wie es ist. Oder tauschen Sie sich mit anderen Mütter oder Ihrer Hebamme darüber aus. Die kennen das. Und es geht in der Regel von allein wieder vorbei.
Fachliche Hilfe sollten Sie suchen, wenn die Irritationen bleiben und belastend werden. Zeichen einer Wochenbett-Depression können unter anderem sein, wenn Sie innigen Kontakt mit dem Baby meiden, überängstlich mit ihm umgehen, ständig genervt oder blockiert sind oder das Stillen durch häufige Milchstaus oder Brustentzündungen zur Nervenprobe wird. Sprechen Sie offen mit Ihrem Frauenarzt, einer Familienberatungsstelle oder direkt mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten.